5.10.2022 – 27.2.2023

ESCRIBIR TODOS SUS NOMBRES

Schreibt all ihre Namen – Spanische Künstlerinnen von 1960 bis heute

Der Titel dieser Ausstellung ist inspiriert von einem Werk von Dora García, 100 obras de arte imposibles (100 Werke unmöglicher Kunst), aus dem Jahr 2001. Dieses besteht aus einer Liste von hundert Sätzen, die auf die Akzeptanz des Scheiterns, auf die Unmöglichkeit, etwas zu verwirklichen, verweisen: „Die Träume Anderer träumen; Das Leben Anderer leben; Mit jedem menschlichen Wesen zusammen sein, auch wenn es nur für eine Sekunde ist", sind einige dieser 100 nichtrealisierbaren Vorschläge. Der Satz „Schreibt all ihre Namen" suggeriert im Rahmen einer ausschließlich Künstlerinnen gewidmeten Ausstellung eine poetische „Handlungsfähigkeit'.

Alle für diese Schau ausgewählten Werke stammen aus der Sammlung von Helga de Alvear, einer der führenden Galerist*innen und Kunstsammler*innen Spaniens. Seit den 1960er-Jahren, als diese Sammlung entstand, hat sich die politische, soziale und kulturelle Realität Spaniens grundlegend gewandelt. Das Ende der vierzigjährigen Militärdiktatur im Jahr 1975, der Übergang zur Demokratie und der Beitritt zur Europäischen Union wurden von einem gesellschaftlichen Umbruch begleitet, in dem junge Menschen und insbesondere Frauen die Hauptrolle bei der Umgestaltung dieser neuen Gesellschaft übernahmen. Diese Realität hat sich auch auf die Künstlerinnen ausgewirkt und wird in ihren Werken und in ihrer steigenden Präsenz in Ausstellungen widergespiegelt. Aber sie bleibt auch - wie überall auf der Welt - ein Thema, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Kuratiert von Lola Hinojosa Martínez, Leiterin der Sammlung Performance und Intermedia am Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía Madrid.

Zeige Inhalt von Mehr Information zur Ausstellung

Die meisten der ausgewählten Werke erwecken den Eindruck, abgesehen von plastischen Umsetzungen auch Schriftwerke zu sein: performative Schrift, musikalische Schrift oder Partitur, geschaffen als Übung in Abstraktion, Erzählung oder Interpretation der Schriften anderer. Dieser Leitfaden zieht sich durch die Arbeiten von fünfzehn Künstlerinnen aus drei verschiedenen Generationen, die, unabhängig davon, ob sie einem „feministischen" Bewusstsein zuzuordnen sind oder nicht, uns andere Sicht- und Lebensweisen nahebringen. Wir verstehen diese als Prozesse einer Subjektivierung, durch die wir die Welt begreifen und sie im Dialog mit dem Raum, der Architektur, der Natur, der Erzählung oder der Idee der Fiktion selbst konstruieren.

Im ersten Teil der Ausstellung zeigen Elena Asins und Esther Ferrer, deren künstlerische Anfänge in den 1960er-Jahren liegen, wie Themen der Linguistik, Mathematik, Philosophie und Musik in ihren Arbeiten umgesetzt werden. Als andere Formen einer „Verschriftlichung" können die verschlungenen Knoten in den Textilskulpturen von Aurèlia Muñoz oder die surrealistischen spielerischen Arbeiten von Eva Lootz verstanden werden. Künstlerinnen wie Vera Chaves Barcellos, Sarah Grilo und Soledad Sevilla entführen uns an einen anderen Ort: auf der Straße. Der öffentliche Raum und seine Mauern werden als Erinnerung an eine Stadt, als Ausdruck ihrer Bewohner*innen oder als Schauplatz literarischer Erzählungen gezeigt.

Im zweiten Teil der Ausstellung entwickeln Cristina Iglesias, Susanen Solano, Montserrat Soto und Carmen Laffón eine Poesie, die eng mit der Natur verbunden ist: Sie erzählen von Landschaften, die bedroht sind oder nur noch in Überlieferungen existieren. Erlea Maneros Zabala und Ángela de la Cruz stellen die Kunstgeschichte - hier die Geschichte der „Helden" der von Männern dominierten Malerei - infrage. Eulàlia Valldosera und Dora García laden mit filmischen Sequenzen oder direkten Texten und Zitaten dazu ein, über Frauen und ihre historischen Rollen in Bezug auf Liebe, Sexualität und Familie nachzudenken.

Die Intention dieser Ausstellung - die Welt aus weiblicher Sicht zu beschreiben, zu benennen - schafft einen neuen Sinn: Schreibt all ihre Namen, alle einzelnen, auf Seiten, die zuvor von anderen als „Geschichtsschreibung" beansprucht wurden.

Einführung

mit Lola Hinojosa Martínez, Leiterin der Sammlung Performance und Intermedia am Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía Madrid und Kuratorin von „ESCRIBIR TODOS SUS NOMRES"

Our Favourites

Sarah Steiner, Kunstvermittlerin, stellt ihr Lieblingswerk aus der Schau vor: "Bura I" (2022) by Susana Solano

Alle Videos zur Ausstellung und weitere Einblicke auf YouTube.

Die Künstlerinnen

Elena Asins

Nach ihrer künstlerischen Ausbildung in Madrid und Paris studierte Asins Semiotik an der Universität Stuttgart und neue Technologien der Kunst am Centro de Cálculo an der Universidad Complutense in Madrid, an der New School for Social Research und an der Columbia University in New York. Ausgehend von expressionistischer Figuration wandte sich Asins 1964 einer regelbasierten Kunst auf der Grundlage von mathematischen Berechnungen zu und wurde 1967 zu einer Pionierin der Erforschung von mathematischen Relationen in der Kunst. Ihrem gesamten Schaffen, das auch Zeichnungen, Skulpturen und zuletzt urbane Interventionen umfasst, ist ihr stetes Verlangen nach Rationalität abzulesen. Seit den 1980er-Jahren bezog sie die Musik in ihr Werk mit ein. Zur gleichen Zeit wurde sie im Bereich der experimentellen Poesie bekannt und verfasste Schriften wie Análisis de un aspecto de Mondrian (1969) und Estudios y reflexiones sobre la pintura (1979).

Auch wenn sie eigenständig und im Stillen ihre Arbeit verfolgte, trat sie von Zeit zu Zeit als Mitglied von Künstlerkollektiven wie etwa Grupo Castilla 63 oder Nueva Generación im Jahr 1967 in die Öffentlichkeit. Im selben Jahr zeigte sie die Einzelausstellung Formas computables im Centro de Cálculo de la Universidad Complutense in Madrid.

*1940, Madrid, Spanien – †2015, Azpirotz, Navarra, Spanien

_______________

Elena Asins, Iching 2, 1994
Tusche auf Papier
Obra licenciada por el Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía mediante Creative Commons Attribution-NonCommercial-NonDereivates 4.0 International License
Foto: © Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Vera Chaves Barcellos

1957 begann Barcellos ein Musikstudium, wandte sich dann aber der bildenden Kunst zu und studierte am Instituto de Belas-Artes in Porto Alegre. 1961 bis 1965 setzte sie ihre künstlerische Ausbildung an der Central School of Arts and Crafts und der St. Martin’s School of Art in London, an der Academie van Beeldende Kunsten in Rotterdam und der Académie de la Grande Chaumière in Paris sowie 1975 am Croydon College of Art Technology fort. 1976 bis 1978 war sie Mitglied der Gruppe Nervo Ótico; 1979 gründete sie mit acht anderen Künstlerinnen das Espaço N.O. (bis 1982). Nach einem Aufenthalt in Barcelona von 1986 bis 1999 kehrte sie nach Brasilien zurück, wo sie an der Gründung der Galería Obra Aberta (bis 2002) beteiligt war.

Ihre Beschäftigung mit künstlerischen Drucktechniken, insbesondere der Radierung, weitete sich seit 1970 auf Fotografie, Siebdruck und Fotokopie aus, bis sie schließlich auch Computer- und digitale Verfahren nutzte. Zugleich ging sie vom Papierblatt zu Büchern, Objekten, Video und Installationen über. Um die zentrale Achse ihre Werks – die Fotografie – kreisend, entwickelte sie eine experimentelle Dynamik, die nicht nur die visuelle Übermacht des Fotografischen, sondern des Bildlichen an sich in Frage stellt, indem sie die Besonderheiten jedes Mediums und den Begriff der Autorenschaft, des Originals beziehungsweise der Kopie, des Dokuments und der Fiktion, der Zeit und der Dauer untersucht.

Dazu gehören auch die Hinterfragung des Begriffs des Weiblichen und des Körpers. Ausgehend von der subjektiven Ebene individueller und kollektiver Mythologien betrachtet sie auch die neuen Produktions- und Konsumsysteme und ihre kulturelle Hervorbringungen.

Vera Chaves Barcellos lebt und arbeitet in Viamão, Rio Grande do Sul, Brasilien, und Barcelona, Spanien

_______________

Vera Chaves Barcellos, Memória de Barcelona, 1977
S/W-Fotografien auf Silbergelatine-Bromidpapier mit Texten von Lluis Llach y Raimón in Bleistift, 10-teilig, je 33 × 22 cm
© Vera Chaves Barcellos, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Ángela de la Cruz

Nach dem Studium der Philosophie an der Univer- sität von Santiago de Compostela zog De la Cruz nach London, um am Chelsea College of Art (1989–1990), am Goldsmiths College (1991–1994) und an der Slade School of Art (1994–1996) Kunst zu studieren. Im Kontext der Kunst der 1990er-Jahre, die eine neue Krise der Malerei erlebte, entwickelte De la Cruz ihre unverwechselbare Bildersprache, die die Grenzen der Malerei sowohl formal als auch in Bezug auf die Wahrnehmung des Raumes sprengte. So gelangte sie zu einem Œuvre, das ebenso malerisch wie skulptural ist, und das Objekt oder Gemälde anthropomorphe und metaphorische Bezüge hat. Von historischen Bezügen ausgehend – monochrome Malerei, Konzeptualismus und Minimalismus bis hin zu Supports/ Surfaces – hebt De la Cruz die Materialität der Malerei durch Dekonstruktion und gewaltähnliche Gesten hervor, um einen Bereich der bildlichen Darstellung zu erkunden, der durch seine Metaphern mit der Realität und insbesondere mit der Gewalt und ihrer exzessiven Verbreitung verbunden ist.

Ángela de la Cruz lebt und arbeitet in London, UK

_______________

Ángela de la Cruz, Vertical, 2004
Öl auf Leinwand und Holz, 171 × 39 × 28 cm
© Ángela de la Cruz, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Esther Ferrer

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und des Journalismus begann Esther Ferrer ihre künstlerische Arbeit, als sie sie sich an der Asociación Artística de Guipúzcoa in San Sebastian zwischen 1961 und 1968 beteiligte. In dieser Zeit arbeitete sie gemeinsam mit José Antonio Sistiage im Taller de libre expresión und an der Escuela Experimental in Elorrio. 1967 schloss sie sich der Gruppe ZAJ an, die zuvor von Ramón Barce, Juan Hidalgo und Walter Marchetti in Madrid gegründet worden war.

Ferrers sehr experimentelles Werk beruht auf ihren Performances, umfasst aber auch Installationen, Skulpturen, Fotografien, Tonarbeiten, Modelle und Zeichnungen. Die Beziehung zum Körper steht im Fokus ihrer Arbeit, die sich mit Konzepten von Zeit, Raum und Präsenz auseinandersetzt und Fragestellungen des Feminismus wie nach Identität und Machtstrukturen aufgreift. Seit den 1980er-Jahren hat sie eine Reihe von Zeichnungen und Installationen geschaffen, die auf Primzahlen und Dezimalzahlen der Zahl Pi basieren, womit sie auf die Vorstellung der Unendlichkeit und die Ausweitung des Kosmos verweist.

Esther Ferrer lebt und arbeitet in Paris, Frankreich

_______________

Esther Ferrer, Sin título (Serie Números primos), ca. 1983
Tinte und Faden genäht auf Papier mit Einschnitten Rahmen, 78,5 × 62 × 4.5 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Dora García

Dora García arbeitet multidisziplinär und gilt als Pionierin der Internet-Kunst in Spanien, außerdem lehrt und unterrichtet sie. Ihr Werk umfasst Fotografie, Skulptur, Installation, Video und Sound, Performance – und insbesondere Online-Performance. 1988 beendete sie ihr Kunststudium an der Universität von Salamanca und konnte im Jahr darauf mithilfe des Nuffic-Stipendiums bis 1991 an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam studieren.

Beeinflusst von performativen Werken der 1960er-Jahre in Amerika, von Science-Fiction-Literatur und der Sprache des Surrealismus, richtet sie in ihrer Arbeit den Blick auf die Gesetze und Widersprüche, die das menschliche Verhalten in der Gesellschaft prägen. Sie erschafft Situationen oder Kontexte, die mit der Doppeldeutigkeit von Fiktion und Realität spielen, und bringt ihre Zuschauer*innen so dazu, die bestehenden Grenzen zu überdenken. Dabei verwendet sie das Internet oder partizipatorische Narrative wie Hypertext.

Dora García lebt und arbeitet in Oslo, Norwegen

_______________

Dora García, Heartbeat (Mapa), 1999
Collage und Acryl auf Papier, 150 × 220 × 4 cm,
Papier 148 × 218 cm
© Dora García, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Sarah Grilo

Sarah Grilo ist eine der Protagonistinnen der abstrakten Kunst Argentiniens und der internationalen Abstraktion. Nachdem sie ein Studium bei dem spanischen Künstler Vicente Puig begonnen hatte, zog sie nach Madrid. In der Folge lebte sie in der Hauptstadt Spaniens, in Buenos Aires und Paris und hielt sich für längere Zeit auch in New York auf (1961–1970). Zwischen 1952 und 1954 war sie Mitglied der von Aldo Pellegrini gegründeten Grupo de Artistas Modernos de Buenos Aires, mit der sie im Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro, und im Stedelijk Museum, Amsterdam (1952), ausstellte.

Die postkubistisch anmutende Figuration ihrer Anfänge verwandelte sich in eine geometrische Abstraktion, die nach dem Aufenthalt in New York eine Annäherung an den Abstrakten Expressionismus suchte. Dieser von sprachlichen, kalligrafischen und gekritzelten Zeichen geprägte Stil sollte schließlich ihr persönlichstes Werk hervorbringen. Die Verwendung von Elementen der Sprache eröffnete ihr die Möglichkeit und in den 1960er-Jahren auch die Notwendigkeit, die Realität in den Mittelpunkt ihrer abstrakten Vision zu stellen. Details des Alltags, Werbung, Graffiti, Zeitungsüberschriften – in  allen diesen Dingen wurde das städtische Leben und sein sozialer, wirtschaftlicher und politischer Kontext ablesbar. Zugleich stellen die Bildschichten, die sich wie subtile Glasuren überlagern, die Schichten von Texten und verdünnten Farbflecken, die sich übereinander legen, gegenseitig verdecken oder aufbrechen, die Gewissheit der Textbotschaften in Frage. Mit ihrer spontanen, gestischen und energischen Handschrift sind diese Werke in feinste Oberflächen aufgelöst, mit einem Farbempfinden, die Grilo als „die große Koloristin ihrer Generation“ auszeichnet.

*1917, Buenos Aires, Argentinien – †2007, Madrid, Spanien

_______________

Sarah Grilo, America Has Changed, 1967
Öl auf Leinwand/ Oil on canvas, 133.5 × 119.5 cm
© The Estate of Sarah Grilo, Foto/ Photo: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Cristina Iglesias

Nach dem Studium der Zeichnung und Keramik in Barcelona (1977–1979) ging Cristina Iglesias nach London und studierte an der Chelsea School of Art (1980). Die „New British Sculpture“ wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt für ihr Werk, kombiniert mit der mitteleuropäischen Tradition der Skulptur-Architektur als einem poetischen Raum. Diese Ansätze bilden die Grundlage ihres Werks, in dem verschiedene Materialien, Licht, Architektur und die physische und psychologische Erfahrung der Betrachter*innen grundlegend für die Konzeption ihrer Skulpturen sind – Räume, die Emotionen symbolisieren. Mit ihrem Werk hat Iglesias zur Wiederbelebung der spanischen Bildhauerszene beigetragen.

Cristina Iglesias lebt und arbeitet in Madrid, Spanien

 _______________

Cristina Iglesias, Sin título, 1987
Eisen und Beton, 230 × 100 × 70 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Carmen Láffon

Carmen Laffón, die als herausragende Vertreterin des spanischen Realismus gilt, nahm Unterricht bei Manuel González Santos, bevor sie an den Kunstakademien von Sevilla (1949 –1952) und Madrid (1953–1954) studierte. Mit Stipendien in Paris und Rom und Reisen nach Wien und Amsterdam (1954–1956) schloss sie ihr Studium ab.

Wieder zurück in Sevilla schuf sie ihre eigene Welt, die auf der Poesie des Alltäglichen basiert und von gerahmten Porträts in Innenräumen handelt, deren Objekte und räumliche Darstellung immer mehr an Bedeutung gewinnen und in denen das Licht die Formen, Atmosphären, Strukturen und Farben überwältigt, transformiert und verschwimmen lässt. Die zunehmende Präsenz des Rationalen führte in den 1960er-Jahren zur skulpturalen Umsetzung von Objekten – Skulpturen, die in den 1990er-Jahren wiederkehren – und zu Landschaften, die durch ihre horizontale Anordnung ihren geometrischen Bildaufbau, ihre Komposition und die Bedeutung der Farben – die in einigen Details überbordend sind – verstärken und in der Serie La sal kulminieren. Hier sind die Atmosphäre, die Räume und Lichter, die Stille und die angehaltene Zeit in einer einzigartigen Mischung von Zartheit und Festigkeit wiedergegeben. Der freie Pinselstrich, der sich in die geometrischen Strukturen einfügt, erinnert an ihre Zeichnungen, während die Materialität der Werke fast reliefartig erscheint. Ihre Beobachtungsgabe und ihre Einfühlung in das Betrachtete führten dazu, dass Laffón ihre Serien als prozessartig auffasste. Dadurch konnte sie unterschiedlichste Perspektiven einnehmen und Objekte und Landschaften in unterschiedlichem Licht erscheinen lassen.

*1934, Sevilla, Spanien – †2021, Sanlúcar de Barrameda, Cadiz, Spanien

_______________

Carmen Láffon, La sal. Salinas de Bonanza, Sanlúcar de Barrameda, 2017–19
Öl, Tempera und Holzkohle auf Holz, 153 × 280 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Eva Lootz

Eva Lootz absolvierte ihre Studien in Wien, wo sie sich auf Film und Fernsehen spezialisierte, und mit Kursen in Philosophie und Kunst kombinierte. Gemeinsam mit ihrem damaligen Partner, dem Künstler Adolfo Schlosser, zog sie 1967 auf den Spuren von Federico García Lorca nach Spanien. Ihre erste Ausstellung fand in der Galerie Ovidio in Madrid statt (1973). Über die Galerie Buades fand sie sehr bald Anschluss an die konzeptuelle Kunstszene in Madrid.

Anfang der 1970er-Jahre entschied sie sich für das dreidimensionale Arbeiten, obwohl sie mit Materialien experimentierte, die zu dieser Zeit in der bildhauerischen Anwendung unüblich waren. Dazu gehörten Filz, Paraffin und Wachs. Lootz verfolgte auch die Diskurse des Postminimalismus und des sich erweiternden Werkbegriffs. Seither bilden diese die Grundlagen ihres Werks. Sie begann, mit der künstlerischen Aneignung von Räumen zu experimentieren und erarbeitete Installationen. Anfang der 1980er-Jahre kam es zu einer Bestandsaufnahme im Rahmen von Ausstellungen, die zeigten, wie die Skulptur ihren Radius erweitert hatte. Hier wurde sie neben anderen Künstler*innen ihrer Generation wie Susana Solano oder Ángeles Marco gezeigt (En tres dimensiones, 1984, kuratiert von María Corral).

Lootz experimentierte mit Materialien, die sich bei ihrer Verwendung verändern. Später untersuchte sie, wie diese Materialien mit Spuren in der Landschaft und mit der Erinnerung der Menschen an ihre Heimat, einschließlich der Ortsnamen, verbunden sind. Die Künstlerin verwendet eine breite Palette von Materialien, dazu gehören etwa Trockeneis, Wachs, Baumwolle, Salz, Kupfer, Sand, Blei, Quecksilber, Wasser, aber auch Marmor und Bronze.

Eva Lootz lebt und arbeitet in Madrid, Spanien

_______________

Eva Lootz, Ella vive en el traje que se está haciendo, 1994
Gelatine-Silberbromid-Fotografie auf Papier, 61 × 48 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Erlea Maneros Zabala

Erlea Maneros Zabala studierte an der Glasgow School of Art, wo sie ihren BFA (2001) erwarb, und am California Institute of the Arts in Los Angeles (MFA, 2003). Sie konzentriert sich auf eine konzeptionelle Praxis, die die Prozesse der Produktion und Verbreitung des Bildes in den Medien im Umfeld politischer und ideologischer Kontexte analysiert. Diese hängen mit ihrem Lebenskontext, der Heimat im Baskenland und ihrer Wahlheimat USA, zusammen, und werden in Arbeitsprozessen, Dekonstruktion, Aneignung, Reproduktion und Serialisierung umgesetzt – auch um historische Ereignisse, die unsere Gegenwart maßgeblich prägen, neu zu betrachten.

Ein Beispiel ist die Serie BRICKS FOR A HOUSE/FIGURES FOR AN IMAGE: Imaginary of the American Press 2001–2004, in der sie sich damit auseinandersetzt, wie die Bilder der Medien die Gewalt des Kriegs vermitteln, damit diese von den Lesern wahr- und angenommen werden. Oder in der Serie Ejercicios de abstracción, an der sie seit 2007 arbeitet und hier Techniken und Materialien der Schriftmedien (Offsetpapier und Tinte) verwendet, um so die Akademisierung und politische Instrumentalisierung der Sprachen der Abstraktion zu hinterfragen.

Erlea Maneros Zabala lebt und arbeitet in Lekeitio, Spanien, und Joshua Tree, Kalifornien, USA

_______________

Erlea Maneros Zabala, Exercises on Abstraction. Series VI, 2019
Offset-Papier, das dem Sonnenlicht ausgesetzt wurde, je 90 × 60 cm
© Erlea Maneros Zabala, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Aurèlia Muñoz

Seit der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre arbeitete Aurèlia Muñoz an der Erneuerung der Textilkunst, befreite sie von alten Vorstellungen und gestaltete sie um. Sie verband kulturelle und materielle Aspekte dieses Mediums und griff dabei auch gesellschaftliche Aspekte auf.

Als Autodidaktin machte sie die künstlerische Erkundung von Techniken unterschiedlicher Herkunft und Zeiten zu einem zentralen Bestandteil ihrer Arbeit. Von den ersten bedruckten Jutestoffen und Stickereien mit geometrischen Motiven – die in der Tradition früherer Avantgarden stehen – ging sie Collagen und Patchworkarbeiten über, für die sie zuvor bemalte und vernähte Stoffe verwendete. Diese Arbeitsweise setzte sich später ihren den „Geschichtsfragmenten“ fort, die aus Materialien bestehen, die aus dem kirchlichen Umfeld stammen, wie etwa Brokat- oder Damaststoffe. Hier zeigte sich schon ihr Interesse am Volumen, das 1969 zu verstärkt dreidimensionalen Formen führte, als sie die Technik des Makramees entdeckte. Dieser Schritt wurde durch Miniaturen vorbereitet, die sie in Acrylkästen einschloss. An ihnen lässt sich bereits die räumliche Auffassung ablesen, die im Spiel der Schnüre und ihrer Gegengewichte, des Modularen und Organischen ihrer geknüpften Stücke zutage treten. In den 1980er-Jahren, als sie an Bootssegeln, Drachen und Origami arbeitete, übertrug sie diese spannungsvollen Techniken auf ihre konstruktiv-rationalen Arbeiten aus Leinwand und Papier. Deren größere Formate ermöglichten Muñoz auch die Partizipation der Betrachter*innen in visueller, körperlicher und intellektueller Art.

*1926, Barcelona, Spanien – †2011, Barcelona, Spanien

_______________

Aurèlia Muñoz, Capa amb coll (Capa con cuello), ca. 1980
Makramee aus Sisal- und Juteseilen, 140 × 110 cm
© Aurèlia Muñoz, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Soledad Sevilla

1965 schloss Soledad Sevilla ihr Studium an der Kunstakademie in Barcelona ab. Von 1969 bis 1971 nahm sie am Seminar Automatic Generation of Plastic Form am Centro de Cálculo der Universität Madrid teil. Seitdem beruht ihr Werk auf geometrischen Grundlagen und der Verwendung von festgelegten Einheiten. Sie schloss ihre Ausbildung in Boston und an der Harvard University (1979 –1982) ab.

In den 1970er-Jahren arbeitete sie an einer seriellen Malerei auf der analytischen Grundlage von Linie und Fläche, Licht und Materie, die durch die Verwendung eines Rasters, von Permutation und Kombination und sowie durch neue Materialien und Formate, die eine Analyse und Strukturierung durch Raum und Licht ermöglichen, immer umfassender wurde. Zugleich setzte sie sich stärker mit dem Raum, der Architektur, auseinander und beginnt mit Installationen, die die körperliche Erfahrung der Betrachter*innen zum einem wesentlichen Element der Wahrnehmung machen.

Dies zeigt sich in Installationen für die Fundación Caixa de Pensions, Barcelona (1987), Castillo de Vélez Blanco, Almería (1992), Casa del Albaicín, Granada (2015), und den Palacio de Cristal, MNCARS, Madrid (2011–2012). Sevillas Werk erneuert sich ständig durch das reiche und abwechslungsreiche Spiel einer wissenschaftlich fundierten Abstraktion mit einer Poesie des Sinnlichen, des Emotionalen und des Erlebten. Inspiriert von Fernando Pessoa kehrt sie in ihren jüngsten Arbeiten wieder zur Geometrie zurück und eröffnet neue Räume, in denen Licht und Visualisierung untersucht werden.

Soledad Sevilla lebt und arbeitet in Barcelona, Spanien

_______________

Soledad Sevilla, Los días con Pessoa, 2021
Acryl und Filzstift auf Holz, 177-teilig, je 46 × 46 cm, Installation, Maße variabel
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Artium Museoa, Vitoria-Gasteiz. © Gert Voor in’t Holt; de las fotografías | Foto: Mathias Schormann

Susana Solano

Susana Solano schloss ihr Kunststudium an der Universität von Barcelona ab, wo sie später auch unterrichten sollte. 1980 wurde ihre erste Einzelausstellung in der Fundació Joan Miró in Barcelona gezeigt.

Obwohl Susana Solano immer wieder in den Bereichen Malerei, Fotografie und Installation gearbeitet hat, legen die Skulpturen die Grundlage für ihren künstlerischen Erfolg. Anfangs zeichneten sich diese Skulpturen durch eine starke formale Reduktion aus. In ihrer Subjektivität sind sie durchaus mit postminimalistischen Werken von Robert Morris, Julio González oder Jorge Oteiza in Verbindung zu bringen. Seit dieser Zeit basieren Solanos Arbeiten auf konkreten, geometrischen Formen mit konstruktivem Charakter, die mit dem Raum, der Leere und den von ihr verwendeten Materialien spielen. Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Rohstoffe wie Holz, Weide, Gips, aber vor allem um Eisen und Aluminium. Dank dieser Vielfalt an Materialien und Raumbezügen entwirft Solano Skulpturen, die mit Bedeutungen aufgeladen sind, die die Betrachter*innen, enträtseln sollen. Die von ihr intendierte Deutung der Skulptur wird dabei von den vielfältigen Lesarten ihrer sehr entschiedenen und persönlichen Werke bereichert.

Susana Solano lebt und arbeitet in Barcelona, Spanien

_______________

Susana Solano, Bura I, 2022
Weidenzweige auf Eisenkonstruktion, Höhe 156 cm, Ø max. 164 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Montserrat Soto

Montserrat Soto absolvierte eine Ausbildung in Malerei an der Escuela Massana in Barcelona und an der École des Beaux-Arts in Grenoble (1990–1991), wandte sich dann aber der Fotografie zu, die neben dem Video zum wichtigsten Medium ihrer Arbeit geworden ist. Ihre Fotografien eröffnen den Betrachter*innen öffentliche oder private Räume der Kunstwelt – einen Blick in ihr Innenleben – oder in die offene Landschaft, die natürlich oder urban geprägt ist. Ihre auffallend intensiv wirkenden Bilder werden nur begrenzt digital bearbeitet. Die Betrachter*innen können in die Räume oder Landschaften regelrecht eintreten, um sich in den Räumen und Kulissen der öffentlichen und privaten Kunst zu bewegen – deren Mechanismen sie offenlegt – oder um sich in die menschenleere Landschaft zu begeben, die aber vom Menschen geprägt ist und in der sich Natur und Kultur gegenüberstehen. In jüngerer Zeit beschäftigt sie sich auch mit der Darstellung von kreativen Prozessen und der Übermittlung von Kunst.

Montserrat Soto lebt und arbeitet in Barcelona, Spanien

_______________

Montserrat Soto, Sin título. Huella 26, 2004
C-Print auf Dibond, 75 × 113 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Eulàlia Valldosera

Nach dem Kunststudium an der Universität von Barcelona (1981–1986) setzte Eulàlia Valldosera in der Abteilung für Druckgrafik der Kunstgewerbeschule Kataloniens (1987–1998) und an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam (1990–1992) ihr Studium weiter fort. Mit außergewöhnlich konsequenten Konzeptionen bringt sie eine Vielzahl von Medien wie Performance, Fotografie, Video und Installation an ihre Grenzen. Ihre fotografischen Arbeiten, die oft aus Performances resultieren, nehmen in ihrer Überlagerung von Bildern Bezug auf die Präsenz des Körpers in objekthaften Überresten des Alltäglichen. In ihren multisensorisch erfahrbaren Installationen kombiniert sie Behältnisse von Reinigungsmitteln, Alltagsgegenstände und mit Projektionen, die durch differenzierte Licht- und Schattenführung über das Tatsächliche hinausweisen und andersartige Bereiche eröffnen. Hiermit untergräbt sie die historische Überlieferung von Identität und Genre, und sie definiert Räume, Erinnerungen sowie kollektive und individuelle Erfahrungen neu.

Eulàlia Valldosera lebt und arbeitet in Barcelona, Spain

_______________

Eulàlia Valldosera, Escenas (I–XIV), 1998
Fotolithografie auf Kunststoff (Detail), je 20.5 × 25 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Artium Museoa, Vitoria-Gasteiz. © Gert Voor in’t Holt, Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés

Activity Cards für unsere jüngsten Gäste!

Entdeckt die Welt von "ESCRIBIR TODOS SUS NOMBRES" durch Zeichnen und Malen! Fragt am Museumscounter nach den Karten oder druckt sie euch zu Hause aus:

Activity Card #1 Activity Card #2

In Kooperation mit Museo de Arte Contemporáneo Helga de Alvear, Cáceres, und mit Unterstützung der Spanischen Botschaft und der Agencia Española de Cooperación Internacional para el Desarrollo (AECID).