10.9.2022 – 13.2.2023

LuYang: DOKU Experience Center

In Schanghai geboren, zählt LuYang zu den bedeutendsten asiatischen Gegenwartskünstler*innen und ist in diesem Jahr „Artist of the Year“ der Deutschen Bank. LuYang gehört zu einer jungen, von Science-Fiction, Manga-, Gaming- und Technokultur inspirierten Kunstszene in China, die mit hypermodernen Technologien arbeitet und sich dabei mit den Ideen von Post- oder Transhumanismus beschäftigt. In diesen Denkrichtungen wird erforscht, wie man die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz von High-Tech erweitern kann. Das Außergewöhnliche an LuYangs Werk ist, dass hier das Posthumane im Kontext von buddhistischen und hinduistischen Kosmologien steht.

DOKU Experience Center fokussiert sich dabei ganz auf die virtuelle Reinkarnation namens Dokusho Dokushi, kurz DOKU. Der genderneutrale Avatar ist eine hyperrealistische Figur, deren Antlitz nach LuYangs Gesicht modelliert ist. Alle Gesichtsausdrücke und Bewegungsmuster werden von Tänzer*innen ausgeführt und dann mit der Motion-Capture-Technologie aufgezeichnet – einem Verfahren, das auf dieser Basis 3D-Modelle etwa für Videospiele generiert.

Wie in einem futuristischen Forschungslabor sind in der Ausstellung alle sechs digitalen Versionen von DOKU erlebbar. Präsentiert werden neben dem ersten narrativen Video DOKU the Self auch LuYangs eigens für die Schau konzipiertes Musikvideo DOKU the Matrix und die neue Serie Bardo #1, die den Avatar mit seinen jeweiligen Attributen in runden Mandala-Kompositionen zeigt.

Nach dem Studium an der China Academy of Arts in Hangzhou, lebt und arbeitet LuYang in Schanghai. Seit 2015 an zahlreichen Gruppenausstellungen weltweit beteiligt, wie bei The Milk of Dreams, 59. Biennale Venedig. Einzelausstellungen waren in Peking, Moskau, in Aarhus und Erlangen zu sehen und aktuell in der Zabludowicz Collection. 2019 ausgezeichnet als BMW Art Journey-Preisträger*in.

Kuratiert von Britta Färber, Global Head of Art Deutsche Bank

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Die Deutsche Bank vergibt einmal im Jahr die Auszeichnung „Artist of the Year“. „Artist of the Year“ ist englisch und bedeutet „Künstler*in des Jahres“. Die Kunstwerke sollen auf interessante Art und Weise wichtige Themen aus der Gesellschaft und aus der Kunst behandeln.

Die Deutsche Bank zeigt die Kunstwerke dann in einer Ausstellung im PalaisPopulaire und in einem Katalog. So können mehr Menschen diese Künstler*innen kennenlernen. Die Auszeichnung „Artist of the Year“ gibt es seit 11 Jahren.

Wer bekommt die Auszeichnung 2022?

In diesem Jahr zeichnet die Deutsche Bank LuYang aus. LuYang gehört heute zu den wichtigsten Künstler*innen aus Asien. LuYang wurde in China geboren und studierte an der China Academy of Arts in Hangzhou. Heute lebt LuYang in Shanghai. Seit 2015 werden Kunstwerke von LuYang in vielen Gruppenausstellungen weltweit gezeigt, zum Beispiel auf der 59. Biennale Venedig 2022. Einzelausstellungen von LuYang gab es zum Beispiel in Peking, Moskau und Erlangen. Ab Ende September 2022 kann man ihre Kunstwerke in der Zabludowicz Collection in London sehen.

Was können Sie in der Ausstellung sehen?

Mit dem Kunstwerk „DOKU Experience Center“ präsentiert das PalaisPopulaire eine multimediale Installation, also eine künstlerische Raumgestaltung mit Hilfe von verschiedenen digitalen Medien. Der Name ist englisch und bedeutet „DOKU Erfahrungs-Zentrum“. DOKU ist
hier die Abkürzung für Dokusho Dokushi. Das ist der japanische Name für eine buddhistische Weisheit und bedeutet „Alleine sterben, alleine geboren werden“.LuYang nennt ihre virtuelle Wiedergeburt DOKU. Virtuell bedeutet: Etwas ist nur scheinbar da, aber nicht wirklich.

LuYang arbeitet mit modernsten Technologien. Zusammen mit Expert*innen aus den Bereichen Tanz, Musik, Philosophie und Wissenschaft erschafft sie einen digitalen Raum. In dieser künstlichen Zusatzwelt, dem sogenannten Metaversum, präsentiert LuYang ihre Idee von einem Leben nach dem Tod.

In der Ausstellung „DOKU Experience Center“ kann man zum ersten Mal die sechs Ausführungen des Avatars DOKU erleben. Ein Avatar ist eine mit dem Computer erstellte Darstellung oder Animation seiner Benutzer*in. Der Avatar DOKU hat kein bestimmtes Geschlecht und ähnelt dem Gesicht von LuYang. Tänzer*innen führen die Gesichtsausdrücke und Bewegungen von DOKU aus, die dann von der Motion-Capture-Technologie aufgezeichnet werden. Dabei werden die Bewegungen der Tänzer*innen von Kameras erfasst und im Computer weiterverarbeitet. So entstehen dreidimensionale Figuren, die sehr realistisch aussehen.

Die Besucher*innen erleben Kunst völlig neu: Beim Ausstellungsbesuch werden die Bewertung der eigenen Kultur, des Körpers und des Geschlechts sowie die Wahrnehmung der Wirklichkeit kritisch hinterfragt. Geistige, seelische und körperliche Möglichkeiten des Menschen werden mit Hilfe von Cyborgs oder Avataren erweitert. Cyborgs sind Mischwesen aus Mensch und Maschine.

LuYang vermischt im DOKU-Projekt das technologische Denken mit alten religiösen und philosophischen Lehren aus dem Buddhismus und dem Hinduismus. In den Kunstwerken geht LuYang folgenden Fragen nach: Kann das virtuelle Dasein das körperliche Dasein erweitern? Und in Zukunft vielleicht sogar ersetzen? Gibt es dann keine gegensätzlichen Einordnungen mehr, zum Beispiel natürlich/künstlich oder männlich/weiblich? LuYangs Avatare haben kein fest bestimmtes Selbst, sondern verändern sich ständig. Sie ähneln Zeichentrick-Figuren und Superhelden und erinnern an den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Dieser Kreislauf heißt im Buddhismus und im Hinduismus Samsara.

Die Ausstellung besteht unter anderem aus dem Erzähl-Film „DOKU the Self“, dem Musik-Video „DOKU the Matrix“ und der Serie „Bardo #1“. „DOKU Experience Center“ zeigt auf mitreißende, philosophische und manchmal verstörende Weise, dass modernstes technologisches Denken gleichzeitig neu, uralt und übernatürlich ist.

Der Text in Einfacher Sprache ist von capito Berlin.
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Seit 2010 zeichnet die Deutsche Bank jährlich einen Kunstschaffenden aus und bietet so neuen, globalen Positionen in der aktuellen Kunst eine Plattform. Das Werk des „Artist of the Year“ soll dabei immer von gesellschaftlicher und künstlerischer Relevanz sein und neue Perspektiven auf die Gegenwart entwickeln. Zu dem maßgeschneiderten Paket zählen eine Ausstellung, ein Katalog und Ankäufe für die Unternehmenssammlung. Die Nominierungen für die Auszeichnung werden vom Global Art ­Advisory Council der Deutschen Bank vorgeschlagen, zu dem die Kurator*innen Hou Hanru (MAXXI, Rom), Udo Kittelmann (Museum Burda, Baden-Baden) und Victoria Noorthoorn (Museo de Arte Moderno, Buenos Aires) gehören.

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Trailer zu „LuYang: DOKU Experience Center"

Einführung mit Britta Färber, Global Head of Art Deutsche Bank und Kuratorin von „LuYang: DOKU Experience Center“

Alle Videos zur Ausstellung und weitere Einblicke auf YouTube.

DOKU

DOKU Human

DOKU Human verkörpert den Daseinsbereich des Menschlichen. Von allen Avataren ähnelt er LuYang wohl am meisten. Doch schon in dieser Inkarnation hinterfragt LuYang unsere binären Vorstellungen. Denn der Avatar gleicht einem Cyborg. Er steckt in einem technoiden Anzug, bei dem nicht deutlich ist, ob er eine künstliche Haut oder der Körper selbst ist. Tatsächlich wurde ein japanischer Meister in der Kunst des Tribal Tattoos gebeten, Tattoos für einen digitalen Menschen zu entwerfen, nach denen das Körpermuster des Avatars realisiert wurde. DOKU Human wirkt wie eine Art Blaupause für alle anderen Inkarnationen und ist umgeben von einer hypermodernen, urbanen Welt. Im Buddhismus ist es am erstrebenswertesten im Reich der Menschen wiedergeboren zu werden. Obwohl in der menschlichen Welt unvermeidliches Leiden durch Geburt, Altern, Krankheit, Tod erfahren wird, und es Gewalt, Trennung, Ängste gibt, hat der Mensch die Möglichkeit zu lernen, sein Selbst und sein zerstörerisches Verhalten zu überwinden.

DOKU Heaven

DOKU Heaven verkörpert die Illusion eines völlig sorglosen, glückerfüllten Daseins im Reich der Götter oder Devas, einem Garten Eden, einer Paradiesvorstellung. Der in verspielte Kleidung gehüllte Avatar tanzt mit fluoreszierenden Kristallen geschmückt auf dem Strom eines Flusses, umgeben von einem paradiesischen Tropenwald voller sphärischer Klänge und Lichterscheinungen. Hier ist auch der Einfluss verschiedener traditioneller balinesischer und indonesischer Tanzstile, etwa Legong zu sehen, die LuYang mit Tänzer*innen in Bali im Motion-Capture-Verfahren aufnahm und dann in den Bewegungen und der Gesichtsmimik ihrer Avatare digital reproduzierte. Doch der Heiligenschein von DOKU Heaven wirkt wie eine trügerische Aura. Im Reich des Himmels gibt es auch die Versuchungen des Luxus und Müßiggangs, eine Tendenz zu Ignoranz und Stolz, die das Streben nach Einfachheit und Erwachen verhindern.

DOKU Asura

DOKU Asura repräsentiert den Wiedergeburtsbereich der Asuras, der Kämpfer, kriegerischen Titanen oder Dämonen, die auch zu den Himmelswesen gehören. In der hinduistischen Mythologie wurden sie von den Devas verdrängt. Im Sanskrit bedeutet Sura „Lichtwesen“. Durch die Vorsilbe „A“ wird das Gegenteil bezeichnet. Asuras sind also die „Gegner der Lichtwesen“. Sie hadern mit den Göttern und versuchen ihren Platz einzunehmen, was ihnen aber trotz ständigen Kampfes nicht gelingt. Der Tanz von DOKU Asura ist vom indonesischen Warrior- oder Baris-Tanz inspiriert. Im Design der Rüstung von DOKU Asura und der von futuristischen Türmen durchsetzten Tempelarchitektur verbinden sich unterschiedliche globale historische, mythische und religiöse Elemente mit High-Tech. Auch das Lebensrad Samsara ist hier in ein Ambiente integriert, das deutlich an die Ästhetik von Fantasy-Games erinnert.

DOKU Animal

DOKU Animal ist eine ebenso naive wie komplexe Erscheinung. Diese Inkarnation LuYangs erinnert mit der Ohrenmütze und Boots aus Kunstpelz weniger an eine Gottheit oder einen Superhelden als an einen Cos-Player. Oder an den von Manga, Goth, Techno und Lolita-Mode geprägten „Harajuku-Style“, der im gleichnamigen Viertel Tokios entstand und in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren die Welt eroberte. Doch DOKU Animal tanzt nicht in einer Teenie-Sendung oder auf einem Techno-Rave. Vielmehr tritt der Avatar in einer Art medizinischem Labor auf, das zugleich Schlachthof, Fitnessstudio für Tiere und Arche Noah ist. Dabei wird auch auf unser zwiespältiges Verhältnis zu Tieren angespielt, auf den Zwang nicht nur uns selbst, sondern alles um uns herum zu optimieren und zu vermarkten. Natürlich deutet sich hier gleichermaßen das Leid von Tieren an, das in der hoch industrialisierten Welt immer weiter zunimmt. Im Samsara steht die Wiedergeburt als Tier für Instinkte, Ignoranz, den blinden Antrieb zur Selbsterhaltung. Auch Tiere haben hier wie Menschen eine Buddha-Natur. Doch sind sie unfähig, diese zu erkennen. Immer bleiben sie Jäger oder Beute und können so dem Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden nicht entkommen.

DOKU Hungry Ghost

DOKU Hungry Ghost sieht wie ein Gothic-Popstar aus. Das Reich der hungrigen Geister, der sogenannten Pretas, wird traditionell von ausgemergelten Wesen mitbewohnt, die nur einen Tropfen Wasser auf einmal schlucken können und so von unstillbarem Hunger und Durst gequält werden. Hungry Ghosts stehen für die Sünden der Sucht und der Gier. DOKU the Self beginnt mit einer apokalyptischen Vision, in der DOKU Hungry Ghost, mutwillig die menschliche Zivilisation mit Erdbeben und monströsen Gewittern zerstört, die er für sein miserables Dasein verantwortlich macht. Er tanzt im Stil von Kebyar Duduk, einem indonesischen Tanz, für den die gebückte Haltung und der Einsatz von Fächern typisch ist. DOKU Hungry Ghost ist eine kalte, empathielose Erscheinung, die an einen manipulativen Player erinnert. Im Kommentar wird der Avatar auch als „Caster“ bezeichnet, als jemand der die Rollen und Identitäten festlegt, anstatt sie zu überwinden.

DOKU Hell

DOKU Hell tanzt mit einem abgetrennten Kopf in der Hand – dem Kopf von DOKU Human oder LuYang selbst? Dieses archetypisch anmutende Motiv spielt auf östliche und westliche Religionen und Kunstgeschichte an. Es lässt sich darin ein Verweis auf Kali, die hinduistische Göttin des Todes und der Zerstörung sehen, zugleich erinnert die Komposition an Caravaggios berühmtes Gemälde David mit dem Haupt des Goliath (1600/01). Vielleicht deutet sich hier auch der symbolische Tod des Künstlers an, der von seinem Avatar enthauptet wird. Sein Tanz ist von der Dämonenkönigin Rangda inspiriert, die gegen Barong, den Anführer der guten Geister kämpft. Die Schlacht zwischen den beiden wird im balinesischen Barong-Tanz verkörpert.

Im untersten Reich, der Hölle des Samsara, erdulden die hier Wiedergeborenen Qualen, bis ihr schlechtes Karma abgegolten ist. Bei LuYang ist eine medialisierte, global wiedererkennbare Höllenversion zu sehen, die an die Filmarchitektur von Science-Fiction, Mystery oder auch an die Serie Stranger Things erinnert. Doch wie bei den höheren Reichen des Samsara oder Dantes Inferno ist auch hier die Hölle nur durch die menschliche Vorstellungskraft hervorgebracht.

Activity Cards für unsere jüngsten Gäste!

Entdeckt die Welt von "LuYang: DOKU Experience Center" durch Zeichnen und Malen! Fragt am Museumscounter nach den Karten oder druckt sie euch zu Hause aus:

Activity Card #1 Activity Card #2

All artworks © LuYang, courtesy the artist and Société, Berlin