Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Tallovás Werk konfrontiert die Betrachtenden mit dem Gefühl von Vergänglichkeit. Da sind die Überreste gelebter Biografien: Teile von Möbeln, mit denen sich jemand eingerichtet hat, Bücher, die jemand gelesen und gesammelt hat, die jemandem gehört haben, anonyme Fotos, die persönliche Erinnerungen gewesen sind. Träume von Fortschritt und Zukunft, von denen nur Ruinen geblieben sind.
„Ich entdecke alte Zivilisationen wieder neu“, sagt Tallová, „und baue utopische Welten, die aber dann wieder der Zerstörung anheimfallen. Nach vielen erfolglosen Versuchen im Laufe der Geschichte kollabieren diese instabilen Strukturen. Die menschliche Existenz ist zum Untergang bestimmt. Sie scheint die Fähigkeit verloren zu haben, innerhalb des gegenwärtigen Systems und angesichts der dystopischen Zukunftsvision zu funktionieren. Der Körper erliegt der Zeit, dem Altern und der Endlichkeit.“[1] Das hört sich nicht hoffnungsvoll an. Doch dieses Statement bezeichnet ganz realistisch den Zustand permanenter historischer Veränderung und Unsicherheit, von wiederholtem Neubeginn, der für die meisten Menschen alltägliche Realität ist.
Tallovás künstlerisches Schaffen, schreibt Sam Bardaouil, „entspringt einer bestimmten Geografie: Mittel- und Osteuropa, einer Landschaft, die vom Zusammenbruch des Kommunismus und der fortwährenden Archäologie seiner Ruinen geprägt ist. Der Flohmarkt und der Secondhand-Laden […] sind die informellen Museen einer Region, in der der Umlauf von Fragmenten von den Brüchen der Geschichte zeugt.“[2] In diesem Sinne inszeniere Tallová nicht bloß die Erinnerung an Objekte, „sondern den Zustand einer Gesellschaft, in der die Erinnerung selbst instabil, zerbrochen und zwischen Regimes schwebend ist.“
Auch wenn es in dieser Ausstellung immer wieder Anspielungen auf sozialistische Kultur, die unterschiedlichsten Strömungen, Stile und Ideologien gibt, geht es nicht ausschließlich um die kritische oder nostalgische Aufarbeitung der Vergangenheit. Es geht auch nicht um einen Vergleich zwischen Ost und West. Es geht vielmehr um diesen Zwischenzustand, den Einschnitt, das Ungelöste, die durch das Collagieren oder die Rekombination erst sichtbar und spürbar werden. Der monolithischen Erzählung, die keine Brüche oder Ungewissheiten zulässt, setzt Tallová etwas Fragiles, Gebrochenes, Zusammengeflicktes entgegen – die Utopie einer „weiblichen“ Welt, in der es nicht um Herrschaft oder Macht geht, sondern alles voneinander abhängig ist.
[1] Ebd. [2] Sam Bardaouil, „Lucia Tallová: A Dramaturgy of Hesitation“, in: Olomouc 2025 (wie Anm. 1), S. 75.
Audio
Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Tallovás Werk konfrontiert die Betrachtenden mit dem Gefühl von Vergänglichkeit. Da sind die Überreste gelebter Biografien: Teile von Möbeln, mit denen sich jemand eingerichtet hat, Bücher, die jemand gelesen und gesammelt hat, die jemandem gehört haben, anonyme Fotos, die persönliche Erinnerungen gewesen sind. Träume von Fortschritt und Zukunft, von denen nur Ruinen geblieben sind.
„Ich entdecke alte Zivilisationen wieder neu“, sagt Tallová, „und baue utopische Welten, die aber dann wieder der Zerstörung anheimfallen. Nach vielen erfolglosen Versuchen im Laufe der Geschichte kollabieren diese instabilen Strukturen. Die menschliche Existenz ist zum Untergang bestimmt. Sie scheint die Fähigkeit verloren zu haben, innerhalb des gegenwärtigen Systems und angesichts der dystopischen Zukunftsvision zu funktionieren. Der Körper erliegt der Zeit, dem Altern und der Endlichkeit.“[1] Das hört sich nicht hoffnungsvoll an. Doch dieses Statement bezeichnet ganz realistisch den Zustand permanenter historischer Veränderung und Unsicherheit, von wiederholtem Neubeginn, der für die meisten Menschen alltägliche Realität ist.
Tallovás künstlerisches Schaffen, schreibt Sam Bardaouil, „entspringt einer bestimmten Geografie: Mittel- und Osteuropa, einer Landschaft, die vom Zusammenbruch des Kommunismus und der fortwährenden Archäologie seiner Ruinen geprägt ist. Der Flohmarkt und der Secondhand-Laden […] sind die informellen Museen einer Region, in der der Umlauf von Fragmenten von den Brüchen der Geschichte zeugt.“[2] In diesem Sinne inszeniere Tallová nicht bloß die Erinnerung an Objekte, „sondern den Zustand einer Gesellschaft, in der die Erinnerung selbst instabil, zerbrochen und zwischen Regimes schwebend ist.“
Auch wenn es in dieser Ausstellung immer wieder Anspielungen auf sozialistische Kultur, die unterschiedlichsten Strömungen, Stile und Ideologien gibt, geht es nicht ausschließlich um die kritische oder nostalgische Aufarbeitung der Vergangenheit. Es geht auch nicht um einen Vergleich zwischen Ost und West. Es geht vielmehr um diesen Zwischenzustand, den Einschnitt, das Ungelöste, die durch das Collagieren oder die Rekombination erst sichtbar und spürbar werden. Der monolithischen Erzählung, die keine Brüche oder Ungewissheiten zulässt, setzt Tallová etwas Fragiles, Gebrochenes, Zusammengeflicktes entgegen – die Utopie einer „weiblichen“ Welt, in der es nicht um Herrschaft oder Macht geht, sondern alles voneinander abhängig ist.
[1] Ebd.
[2] Sam Bardaouil, „Lucia Tallová: A Dramaturgy of Hesitation“, in: Olomouc 2025 (wie Anm. 1), S. 75.
Weitere Werke aus dieser Ausstellung
Deutsche Bank “Artist of the Year” 2026
Lucia Tallová: Moving Clouds
Deutsche Bank “Artist of the Year” 2026
Fragile Welten aus Papier
Material und Erinnerung
Männerfantasien, Frauenkörper