Fragile Welten aus Papier

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Das Erste, was an Lucia Tallovás Papierarbeiten auffällt, ist ihre objekthafte, fast skulpturale Qualität. Das Ausgangsmaterial für die Collagen und Assemblagen, die von Frauen und weiblichen Stereotypen aus den unterschiedlichsten Epochen bevölkert sind, findet sie auf Flohmärkten und in Antiquariaten: in Bildbänden über die Spartakiade 1974, in Mode- und Filmmagazinen der 1950er-Jahre, in Büchern über die Tempel und Skulpturen der Klassischen Antike. Tallová montiert die Gesichtszüge eines Models aus der Nachkriegszeit mit den Antlitzen barocker Madonnen. Sie lässt Treppen, Säulen und architektonische Elemente wie in einem Pop-up-Bilderbuch aus der Collage ragen. Dann wieder verwachsen die zusammengesetzten Frauenkörper mit Darstellungen von Pflanzen, Bindfäden, Fragmenten von Gebirgszügen und den Laufbahnen von Planeten. Äste können wie Nervenbahnen oder Blitze auf dem Papier sitzen, Steine dienen auf dem Bildträger als Haarschmuck. Alles in diesen Collagen und Assemblagen strebt in die Dreidimensionalität, in den Raum. 

Angefangen hat das ursprünglich mit Malerei, mit der schwarzen Farbe, mit der Tallová zunächst ihre semi-abstrakten, wolkenartigen Gemälde anfertigte und dann einsetzte, um Fotografien und Motive aus Büchern und Magazinen zu verfremden und zu manipulieren. Sie behandelte das Papier immer mehr als bildhauerisches Material, das sie „in Form bringt“, und fixierte es so, dass es in einer bestimmten Position bleibt und die Spannung hält. Das Papier ist geknickt oder geknüllt, gefächert oder gefaltet, lässt die Ecken wie Flügel abstehen oder wuchert wie Gestrüpp. Tallová schafft durch diese Technik präzise, intuitive Setzungen – Formen der Montage, in denen sich Bilder überlagern, Motive verbinden und verborgene Erinnerungen oder Assoziationen freisetzen. Zugleich entsteht der Eindruck, die Zeit und der Zustand des Materials seien im Kunstwerk fixiert, wie ein angehaltener Moment. 

Diese Technik setzt die Künstlerin in ihren Assemblagen fort. Sie montiert ihre Collagen unter Glaskuppeln, klemmt Holzkohle zwischen Rahmen, Glas und Papier und lässt diese über Bild und Rahmen in ein anderes Bild auf der Wand wachsen. Abstrakte Strukturen quellen mittels eingefärbtem, zerknülltem Papier aus den Arbeiten heraus, Papierarbeiten werden mit Möbelfragmenten und Teilen von Stuhlbeinen kombiniert. Diese Welt aus Papier ist fragil und erstaunlich anpassungsfähig zugleich. Die Materialkombinationen und -Formen werden bei Tallová regelrecht grenzenlos, verbinden sich auf völlig neue Weise mit dem Raum.

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