Lucia Tallová: Moving Clouds
Deutsche Bank “Artist of the Year” 2026

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Lucia Tallová wurde 1985 in Bratislava geboren, wo sie an der Akademie für Bildende Künste und Design studierte und heute lebt und arbeitet. Seit 2023 nominiert eine im zweijährigen Turnus wechselnde Persönlichkeit aus der globalen Kunstwelt Künstler*innen für die Auszeichnung „Artist of the Year“. Vorgeschlagen wurde die slowakische Künstlerin von Sam Bardaouil und Till Fellrath, Leiter des Hamburger Bahnhofs – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin. 

Der Titel von Lucia Tallovás Ausstellung Moving Clouds assoziiert Wolken, die unablässig über den Himmel ziehen, und den stetigen Kreislauf von Werden und Vergehen verkörpern. „Moving“ meint in ihrem Werk jedoch immer auch eine emotionale, innere Bewegung: von der Welt berührt zu werden, von ihrer Schönheit ebenso wie von ihrer zunehmenden Zerstörung. 

Tallovás raumfüllende Installation für das PalaisPopulaire mutet auf den ersten Blick wie eine fast surreale Reise in die Vergangenheit an. Doch tatsächlich geht es der Künstlerin um eine sehr persönliche Bestandsaufnahme unserer Gegenwart. Ihre Arbeiten kreisen um Erinnerung, historische Schichten und die Frage, wie Vergangenheit in der Gegenwart fortlebt. Dabei verknüpft sie persönliche und kollektive Geschichten mit Bezügen zu Kunstgeschichte, Architektur und dem Erbe der Moderne. Ihre Werke reflektieren die tiefgreifenden Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte – den Zerfall politischer Ordnungen, das Verschwinden industrieller Welten, technologische Transformationen, ökologische Bedrohungen und die zunehmende Verletzlichkeit demokratischer Gesellschaften. 

Tallová blickt aus einer feministischen Perspektive auf die menschliche Zivilisation und die patriarchalen Strukturen, die ihr zugrunde liegen. Sie zeichnet eine Geschichte nach, in der sich die Unterdrückung und Marginalisierung von Frauen auch in der Ausbeutung der Natur widerspiegeln. Dabei entwickelt sie neue, assoziative Formen des Erzählens und Archivierens. So gleichen die Holzkonstruktionen, in denen sie ihre Collagen, Gemälde und Assemblagen präsentiert, übergreifenden Tableaus, aber auch einem improvisierten Archiv oder Teilen einer Kulisse. Auch die verbogenen Säulen der zentralen Skulpturengruppe Fragility of Caryatid (2025) erinnern an eine theatralische Inszenierung. 

Mit Fundstücken, Bücher- und Magazinseiten, Papier, Holz und Fotografie erschafft Tallová ein immersives Gesamtkunstwerk, das sich poetisch und zugleich kritisch mit der Fragilität der Erinnerung in einer beschleunigten, digitalisierten Gegenwart auseinandersetzt.

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