Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
„Aus historischer Sicht“, sagte Tallová 2025 in einem Interview, „wurde der weibliche Körper eher als Objekt denn als Subjekt seiner eigenen Geschichte wahrgenommen. Er trägt die Spuren von Druck, Verformung und den stetigen Bemühungen, sich festgelegten Normen anzupassen.“[1] Ihre Collagen und Assemblagen sprechen genau davon. Sie sind bevölkert von deformierten Frauenkörpern, die Haltung bewahren sollen: Arbeiterinnen, Sportlerinnen und Models, deren Leistungen und Leben nicht in den männlich dominierten Kanon der Moderne und Nachkriegsmoderne eingeschrieben wurden.
Die Künstlerin lässt Frauenkörper mit allen möglichen, von Männern entworfenen und gebauten Architekturen verwachsen, wobei sie selbst die Funktion von Säulen und Ornamenten übernehmen oder zu Architektur werden. So ragen aus einem der berühmtesten Bauwerke des italienischen Faschismus, dem 1940 eingeweihten Palazzo della Civiltà Italiana, Beine in Seidenstrümpfen und Lackschuhen, frivol wie in einer Cabaret-Vorstellung aus Zeiten der Weimarer Republik. Frauen müssen in anderen Arbeiten buchstäblich die Last der Geschichte tragen. Jugendliche Turnerinnen bilden das Fundament eines Turms aus antiken Tempeln oder stellen stalinistische Heldenmonumente nach.
Ausformuliert wird dies in der Installation Fragility of Caryatid (2025). Diese besteht aus einer Gruppe von verbogenen Fragmenten ionischer Säulen, in die posterartige Bilder von antiken Frauenskulpturen, meist Torsi ohne Kopf, geklemmt sind. Tallová spielt damit auf die in der antiken Architektur und Bildhauerei verkörperten Geschlechtsmetaphern an. Karyatiden sind weibliche Skulpturen, die anstelle einer Säule oder eines Pfeilers eingesetzt werden. Anders als die männlichen Atlanten, die schwer an der Last der architektonischen Elemente arbeiten, müssen sie die architektonische Last anmutig auf dem Kopf balancieren. Sie verkörpern eine disziplinierte Weiblichkeit, die die Anstrengung nicht einmal zeigen darf. In Tallovás Version sind sie verschwunden, die Säulen verbogen oder abgebrochen.
[1] Lucia Tallová im Interview mit Jan Kudrna, in: Lucia Tallová. I Wish I Was Made Of Stone, Ausst.-Kat. Telegraph Gallery, Olomouc 2025, S. 39.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
„Aus historischer Sicht“, sagte Tallová 2025 in einem Interview, „wurde der weibliche Körper eher als Objekt denn als Subjekt seiner eigenen Geschichte wahrgenommen. Er trägt die Spuren von Druck, Verformung und den stetigen Bemühungen, sich festgelegten Normen anzupassen.“[1] Ihre Collagen und Assemblagen sprechen genau davon. Sie sind bevölkert von deformierten Frauenkörpern, die Haltung bewahren sollen: Arbeiterinnen, Sportlerinnen und Models, deren Leistungen und Leben nicht in den männlich dominierten Kanon der Moderne und Nachkriegsmoderne eingeschrieben wurden.
Die Künstlerin lässt Frauenkörper mit allen möglichen, von Männern entworfenen und gebauten Architekturen verwachsen, wobei sie selbst die Funktion von Säulen und Ornamenten übernehmen oder zu Architektur werden. So ragen aus einem der berühmtesten Bauwerke des italienischen Faschismus, dem 1940 eingeweihten Palazzo della Civiltà Italiana, Beine in Seidenstrümpfen und Lackschuhen, frivol wie in einer Cabaret-Vorstellung aus Zeiten der Weimarer Republik. Frauen müssen in anderen Arbeiten buchstäblich die Last der Geschichte tragen. Jugendliche Turnerinnen bilden das Fundament eines Turms aus antiken Tempeln oder stellen stalinistische Heldenmonumente nach.
Ausformuliert wird dies in der Installation Fragility of Caryatid (2025). Diese besteht aus einer Gruppe von verbogenen Fragmenten ionischer Säulen, in die posterartige Bilder von antiken Frauenskulpturen, meist Torsi ohne Kopf, geklemmt sind. Tallová spielt damit auf die in der antiken Architektur und Bildhauerei verkörperten Geschlechtsmetaphern an. Karyatiden sind weibliche Skulpturen, die anstelle einer Säule oder eines Pfeilers eingesetzt werden. Anders als die männlichen Atlanten, die schwer an der Last der architektonischen Elemente arbeiten, müssen sie die architektonische Last anmutig auf dem Kopf balancieren. Sie verkörpern eine disziplinierte Weiblichkeit, die die Anstrengung nicht einmal zeigen darf. In Tallovás Version sind sie verschwunden, die Säulen verbogen oder abgebrochen.
[1] Lucia Tallová im Interview mit Jan Kudrna, in: Lucia Tallová. I Wish I Was Made Of Stone, Ausst.-Kat. Telegraph Gallery, Olomouc 2025, S. 39.
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