Material und Erinnerung

Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Alles, auch ephemere Erscheinungen, übersehene Biografien, alltägliche Erinnerungen und Fundstücke, bewegt in dieser Kunst etwas. Tallová verleiht Körpern, Objekten und Materialien durch Montage und Rekombination Schönheit, Emotion und neue, universale Bedeutung. Dabei gibt es keine Hierarchien, nichts, das zu unwichtig, banal oder schlicht wäre. Dieser Praxis liegt ein ebenso poetischer wie materialistischer Gedanke zugrunde: dass in jede Form von Materie, in jedes Material – sei es belebt oder unbelebt, organisch oder künstlich – Geschichte eingeschrieben ist. Geologische Geschichte, die Geschichte der Zivilisationen, von Fortschritt, Technologie und Kultur, aber auch flüchtige, persönliche Erinnerungen. Das Material nimmt diese Erinnerungen als Spur, wie eine feinstoffliche Energie, auf, um sie wie eine Ablagerung einzuschließen. 

Tallovás Arbeit lässt sich als die einer Archäologin, Historikerin oder Soziologin betrachten, als eine Art künstlerische Forensik, die diese verborgenen Geschichten freilegt. Dabei bilden Bratislava und die Slowakei, die sie umgebende osteuropäische, von der k. u. k. Monarchie geprägte Region, eine wichtige Quelle für ihre Arbeit. Das heißt, dass die Bücher, Bildbände, Lexika und Zeitschriften, die sie in ihrer täglichen Umgebung in Antiquariaten oder auf dem Flohmarkt findet, auch stichprobenartig zeigen, was hier seit dem frühen 20. Jahrhundert gelesen und betrachtet wurde, welche Bilder und Ideale über die Jahrzehnte das Bewusstsein, die Ideologie und die sozialen Normen prägten. Dabei reichen die Themen der Publikationen von der Antike, über die Habsburgermonarchie bis zur Nachkriegsmoderne, der Zeit des Wiederaufbaus, des sozialistischen Fortschritts und der Industrialisierung, in Ost und West.

Weitere Werke aus dieser Ausstellung