Auf dem kleinformatigen Gemälde Küchenbild rosa (1994–2003) ist eine Figur aus weißen wolkenartigen Pinselstrichen zu erkennen. Sie sitzt auf einem gelben Stuhl, während sie die Beine über den Tisch gelegt ausstreckt und sich das gesamte Gleichgewicht lediglich durch die drei Stuhlbeine aufrechterhalten lässt. Über die formale Ebene hinaus schafft Galli es hier, die physikalischen Gesetzmäßigkeiten auszuhebeln, wie sie dies ohnehin stets mit größtem Vergnügen tut. Sie lässt uns auch darüber im Unklaren, ob die Figur mit dem Tisch, der Tisch mit dem Stuhl oder umgekehrt das Dasein teilt. Es lässt sich nicht erkennen, wo Anfang und Ende liegen, jegliche Konturierung scheint in die andere überzugehen und miteinander zu verwachsen. Der Stuhl mit der abgerundeten Rückenlehne ist aus dem Buch Ja der Künstlerin bekannt, in dem die häusliche Szenerie ihres Friedenauer Ateliers mehrfach zeichnerisch dokumentiert ist – auch hier ist Galli von ihrer Umgebung beeinflusst. Der Tisch ist für eine Mahlzeit gedeckt, mit einem reich gefüllten Teller, Messer, Löffel, Gabel und einem halbvollen Weinglas. Der Hintergrund wird von der Farbe Rosa eingenommen, die zwar großflächig aufgetragen ist, aber dennoch kleine Lücken aufweist und die darunter liegende Grundschicht teilweise freilegt. Rosatöne wurden auch von der österreichischen Malerin Maria Lassnig verwendet, die in ihren Selbstporträts die eindeutige Weiblichkeit abstrahierte und dabei oft geschlechtsspezifische Merkmale, den Alterungsprozess und traditionelle Vorstellungen von Schönheit verwischte. Verzerrte Gesichter treten manchmal klar figurativ, dann aber auch wieder abstrakt in Erscheinung. Die Umkehrung einfacher Tätigkeiten als Visualisierung von Empfindung ist eine mögliche Interpretation von Lassnigs Gemälde Die Sense kann warten (1985): Eine geometrisch abstrahierte Figur in Rosa liegt nach oben blickend auf dem Boden. Sie scheint zu gärtnern, ihre Scherwerkzeuge durchschneiden die Fläche.
Informationen
Standort
Künstlerin
GALLI
Titel
© Courtesy die Künstlerin und Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin
Auf dem kleinformatigen Gemälde Küchenbild rosa (1994–2003) ist eine Figur aus weißen wolkenartigen Pinselstrichen zu erkennen. Sie sitzt auf einem gelben Stuhl, während sie die Beine über den Tisch gelegt ausstreckt und sich das gesamte Gleichgewicht lediglich durch die drei Stuhlbeine aufrechterhalten lässt. Über die formale Ebene hinaus schafft Galli es hier, die physikalischen Gesetzmäßigkeiten auszuhebeln, wie sie dies ohnehin stets mit größtem Vergnügen tut. Sie lässt uns auch darüber im Unklaren, ob die Figur mit dem Tisch, der Tisch mit dem Stuhl oder umgekehrt das Dasein teilt. Es lässt sich nicht erkennen, wo Anfang und Ende liegen, jegliche Konturierung scheint in die andere überzugehen und miteinander zu verwachsen. Der Stuhl mit der abgerundeten Rückenlehne ist aus dem Buch Ja der Künstlerin bekannt, in dem die häusliche Szenerie ihres Friedenauer Ateliers mehrfach zeichnerisch dokumentiert ist – auch hier ist Galli von ihrer Umgebung beeinflusst. Der Tisch ist für eine Mahlzeit gedeckt, mit einem reich gefüllten Teller, Messer, Löffel, Gabel und einem halbvollen Weinglas. Der Hintergrund wird von der Farbe Rosa eingenommen, die zwar großflächig aufgetragen ist, aber dennoch kleine Lücken aufweist und die darunter liegende Grundschicht teilweise freilegt. Rosatöne wurden auch von der österreichischen Malerin Maria Lassnig verwendet, die in ihren Selbstporträts die eindeutige Weiblichkeit abstrahierte und dabei oft geschlechtsspezifische Merkmale, den Alterungsprozess und traditionelle Vorstellungen von Schönheit verwischte. Verzerrte Gesichter treten manchmal klar figurativ, dann aber auch wieder abstrakt in Erscheinung. Die Umkehrung einfacher Tätigkeiten als Visualisierung von Empfindung ist eine mögliche Interpretation von Lassnigs Gemälde Die Sense kann warten (1985): Eine geometrisch abstrahierte Figur in Rosa liegt nach oben blickend auf dem Boden. Sie scheint zu gärtnern, ihre Scherwerkzeuge durchschneiden die Fläche.
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