19.2. – 13.4.2026
OnView – Power
Filmserie
OnView ist eine kuratierte Filmreihe des PalaisPopulaire: Jeweils im Frühjahr und Herbst präsentiert das Haus über einen Zeitraum von bis zu acht Wochen Filme internationaler Künstler*innen zu einem Themenbereich. Unter dem Titel Power vereint die dritte Ausgabe Arbeiten von Karimah Ashadu, Dara Birnbaum, Jen DeNike, Korpys/Löffler, Erkan Özgen, Rosemarie Trockel, Shirin Sabahi und Ulay/Marina Abramović.
Wie in den vorhergehenden Präsentationen wurden für OnView – Power Werke ausgewählt, welche die unterschiedlichen Bedeutungen und Deutungen des Begriffs reflektieren. Verortet in sozialen oder politischen Kontexten, beschäftigen sich die Filme mit Macht, Kraft, Stärke, Kontrolle oder deren Gegensätzen.
Kuratiert von Sara Bernshausen, Stellvertretende Direktorin PalaisPopulaire
Gesamtlänge: 1 Stunde 7 Minuten
Abfolge:
Rosemarie Trockel, à la Motte, 1993
In einer kurzen Schwarz-Weiß-Sequenz frisst eine weiße Motte ein Loch in die Maschen eines schwarzen Strickstücks und trennt das textile Gewebe auf. Rosemarie Trockel lässt in „à la Motte“ (1993) diese Bilder dann auch rückwärts laufen. So entsteht der Eindruck, als würde die Motte auftrennen und wieder zunähen –teils filigrane Handarbeit ausführen, teils zerstören. Wie im Mythos von Sisyphos spiegelt sich in diesem visuellen Spiel die Unendlichkeit einer kräftezehrenden Aufgabe wider.
Betacam SP, schwarz-weiß, ohne Ton
1:00 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artists and Sprüth Magers
Jen DeNike, Wrestling, 2002
In „Wrestling“ (2002) ringen zwei Jugendliche auf einer Sommerwiese. Aus der Vogelperspektive gefilmt, fängt Jen DeNike die Grenzen zwischen Spiel und Ernsthaftigkeit der beiden rivalisierenden Jungen ein. Spaß, Übermut und subtile Erotik des Kräftemessens liegen in der Luft.
Video, Farbe, Ton
3:10 min
Courtesy of the artist and Julia Stoschek Foundation
Karimah Ashadu, Machine Boys, 2024
Karimah Ashadus Arbeit „Machine Boys“ (2024) beleuchtet die „Okada“ genannten Motorradtaxis in Lagos, die trotz staatlichen Verbots weiterhin in der Illegalität existieren. Der Film zeigt die täglichen Herausforderungen und Rituale der Okada-Fahrer, die auf der Suche nach finanziellem Erfolg mit Imitaten von Ray-Ban-Brillen und Gucci-Latschen ihre Männlichkeit zur Schau stellen. In ihrer Arbeit hinterfragt Ashadu die patriarchalen Strukturen Nigerias und die Verletzlichkeit einer prekären Arbeiterklasse.
1-Kanal-Video, Farbe, Ton
8:50 min
© Karimah Ashadu. Courtesy of the artist, Fondazione In Between Art Film, and Sadie Coles HQ, London. Video still: © Karimah Ashadu und Sadie Coles HQ, London
Dara Birnbaum, Technology/Transformation: Wonder Woman, 1978–79
Mitte der 1970er-Jahre kam Lynda Carter mit der Serie Wonder Woman als neue Heldin auf die TV-Bildschirme in US-amerikanischen Haushalten. Dara Birnbaum macht sich diese Serie in „Technology/Transformation: Wonder Woman“ (1978–79) zu eigen, indem sie den Identitätswechsel von Superheldin zur Sekretärin zur Endlosschleife montiert. Die fordernde weibliche Lebensrealität zwischen diesen Polen bleibt ausgeblendet und unserer Fantasie überlassen.
Video, Farbe, Ton
5:50 min
Courtesy of the Estate of Dara Birnbaum and Electronic Arts Intermix (EAI), New York
Erkan Özgen, Dark in Dark, 2012
In „Dark in Dark“ (2012) steht eine junge Frau in langem schwarzem Rock und Kopftuch in karger Landschaft. Das Bild wird durch eine Stromleitung dominiert. Die langsamen und bedachten Handlungen der Protagonistin lassen den Betrachtenden viel Raum zur Interpretation des Handlungsverlaufs. Erkan Özgen präsentiert symbolträchtig einen Akt der weiblichen Befreiung und der Selbstermächtigung gegen Macht und Stärke von Fanatismus.
1-Kanal-HD-Video, Ton
6:40 min
Courtesy of the artist and ZINK
Ulay/Marina Abramović, Light/Dark (Amsterdam), 1978
Von 1976 bis 1989 testeten Marina Abramović und Ulay in ihren gemeinsamen Performances körperliche und mentale Grenzen und loteten die vielfältigen Möglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen aus. Ihre Körper dienten dabei als Ausdrucksmittel für Identität, Existenz und soziales Miteinander. In der filmischen Dokumentation „Light/Dark“ der gleichnamigen Performance in Amsterdam von 1978 spielen Kraft, Schmerz, Verletzung, Scham und Abhängigkeit eine zentrale Rolle.
1-Kanal-Video, schwarz-weiß, Ton
8:15 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Ulay and Marina Abramović. Courtesy of the Marina Abramović Archives and LI-MA Amsterdam
Korpys/Löffler, The Nuclear Football, 2004
Die dokumentarische Fiktion „The Nuclear Football“ zeigt verschiedene institutionelle Ebenen von Macht. Als Mitglieder des offiziellen Presseteams nahmen Korpys/Löffler an den Proben und dem Besuch von George W. Bush in Berlin 2004 teil. Doch ihr Film ignoriert weitgehend den zeremoniellen Staatsakt und zeigt stattdessen verborgene Aspekte dieser Inszenierungen. Titelgebend ist der Atomkoffer – „nuclear football“ – der stets in unmittelbarer Nähe des Staatsoberhaupts mitreist und seine absolute Macht demonstriert.
1-Kanal-Video, Farbe, Ton
30:41 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artists and Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe
Shirin Sabahi, Casino Blooms, 2026
Der Film „Casino Blooms“ (2026) fängt die letzten Tage der Expo 2025 in Osaka ein. Die Kamera verweilt auf dem Blumenmeer, das die weltweit größte Holzkonstruktion einfasst. Jedoch kaschiert der blühende Garten als „Soft Power“ den Wandel: Denn nach sechs Monaten wird die Konstruktion zu Brennholz verarbeitet und macht einem Glücksspielkomplex Platz. Shirin Sabahi versteht ihre Aufnahme symbolisch für den Moment des Übergangs, kurz bevor alles endet.
16 mm film transferred to digital, color, no sound
2:47 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artist