Ein Kunstprojekt nach dem 11. September An keinem anderen Ort der Welt werden auf solch einem begrenzten Raum mehr Sprachen gesprochen als in New York City. Als Karin Sanders wordsearch realisiert wird, sind die Anschläge vom 11. September kaum ein Jahr her. Die Stimmung ist immer noch angespannt und die Debatten über Migration, Religion und Identität reißen nicht ab. wordsearch ist Teil von „Moment“, einer internationalen Reihe für Kunst im öffentlichen Raum der Deutschen Bank. Es war schon lange vor dem Anschlag auf das World Trade Center geplant, ist aber 2002 aktueller denn je.
Appell für Diversität Sanders Kunstwerk ist ein Aufruf für ein multikulturelles Miteinander. Es wird am 4. Oktober 2002 in der New York Times gedruckt. Auf vier Doppelseiten des Wirtschaftsteils der Zeitung, an einer Stelle also, die sonst täglich den Aktienkursen vorbehalten ist, ordnen sich in Kolumnen Wörter aus 218 in New York gesprochenen Muttersprachen, von denen jeweils eines – stellvertretend für die gesamte, hier buchstäblich „zu Wort kommende“ Sprache – von einem in New York lebenden „Native Speaker“ beigesteuert wurde. Dafür recherchierten Sander und ihr Team lange und führten unzählige Interviews.
Eine translinguale Skulptur Jedes einzelne dieser persönlich bedeutsamen oder für den Sprachkreis des „Wortgebers“ typischen Worte wird wiederum in alle anderen in New York gesprochenen Sprachen übersetzt. Das Textgewebe, das daraus entsteht und die Zeitungsseiten bedeckt, ist wie ein Wörterbuch lesbar. Gleichzeitig ist es ein abstraktes Bild: Schon aus geringer Entfernung vermittelt es den Eindruck einer schwer fassbaren Matrix. Sander selbst versteht diese zig-tausendfach gedruckten Seiten als „translinguale Skulptur“. Denn ihr Werk wird durch die Zeitung wieder dem Raum zugeführt, dem es entstammt, und fügt sich als bloßes Muster an allen nur erdenklichen Stellen in die Stadt ein. So wie Graffiti das Stadtbild prägen, korrespondiert auch das flirrende Sprachmuster auf den Zeitungsseiten für einen Tag mit New York.
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Ein Kunstprojekt nach dem 11. September
An keinem anderen Ort der Welt werden auf solch einem begrenzten Raum mehr Sprachen gesprochen als in New York City. Als Karin Sanders wordsearch realisiert wird, sind die Anschläge vom 11. September kaum ein Jahr her. Die Stimmung ist immer noch angespannt und die Debatten über Migration, Religion und Identität reißen nicht ab. wordsearch ist Teil von „Moment“, einer internationalen Reihe für Kunst im öffentlichen Raum der Deutschen Bank. Es war schon lange vor dem Anschlag auf das World Trade Center geplant, ist aber 2002 aktueller denn je.
Appell für Diversität
Sanders Kunstwerk ist ein Aufruf für ein multikulturelles Miteinander. Es wird am 4. Oktober 2002 in der New York Times gedruckt. Auf vier Doppelseiten des Wirtschaftsteils der Zeitung, an einer Stelle also, die sonst täglich den Aktienkursen vorbehalten ist, ordnen sich in Kolumnen Wörter aus 218 in New York gesprochenen Muttersprachen, von denen jeweils eines – stellvertretend für die gesamte, hier buchstäblich „zu Wort kommende“ Sprache – von einem in New York lebenden „Native Speaker“ beigesteuert wurde. Dafür recherchierten Sander und ihr Team lange und führten unzählige Interviews.
Eine translinguale Skulptur
Jedes einzelne dieser persönlich bedeutsamen oder für den Sprachkreis des „Wortgebers“ typischen Worte wird wiederum in alle anderen in New York gesprochenen Sprachen übersetzt. Das Textgewebe, das daraus entsteht und die Zeitungsseiten bedeckt, ist wie ein Wörterbuch lesbar. Gleichzeitig ist es ein abstraktes Bild: Schon aus geringer Entfernung vermittelt es den Eindruck einer schwer fassbaren Matrix. Sander selbst versteht diese zig-tausendfach gedruckten Seiten als „translinguale Skulptur“. Denn ihr Werk wird durch die Zeitung wieder dem Raum zugeführt, dem es entstammt, und fügt sich als bloßes Muster an allen nur erdenklichen Stellen in die Stadt ein. So wie Graffiti das Stadtbild prägen, korrespondiert auch das flirrende Sprachmuster auf den Zeitungsseiten für einen Tag mit New York.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Karin Sander, wordsearch, 2002
Eine translinguistische Skulptur
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul. Foto: Mathias Schormann
Sammlung Deutsche Bank
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