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Wong Hoy Cheong, Study for Colonies Bite Back, 2001

Kapitel: Map of Utopia - Geschichte, Kartografie, Weltentwurf

Informationen

Kindheit in Malaysia
Wong Hoy Cheong ist ein malaysischer bildender Künstler, Lehrer und politischer Aktivist, der interdisziplinär arbeitet. Sein Werk umfasst Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video, Performance und Installation und ist geprägt von seiner Kindheit in Malaysia – einem Land, das er als „das vielleicht komplexeste multiethnische und multikulturelle Land der Welt“ beschreibt.

Auseinandersetzung mit dem Erbe des Kolonialismus
Wong studierte in den USA, unter anderem an der Brandeis University und in Harvard Literatur und im Anschluss Malerei. Dabei machte er, wie er selbst sagte, erstmals die Erfahrung, als „Objekt statt als Subjekt“ betrachtet zu werden. Der zentrale Aspekt in seiner Praxis ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe des Kolonialismus, wobei er auch den komplexen kulturellen Hintergrund seiner eigenen Familie miteinbezieht. Er ist der Sohn eines chinesischen Einwanderers der zweiten Generation aus der Arbeiterklasse, der in eine wohlhabende chinesische Familie eingeheiratet hat.

Termiten als Kunstproduzenten
Humor spielt eine strategische und subversive Rolle in Wongs Arbeit. Sie dient ihm als Mittel, um das Publikum ohne Zeigefinger mit gesellschaftspolitischen Themen zu konfrontieren. So auch in seiner Arbeit Study for Colonies Bite Back, die aus durchlöcherten, fast zerfallenden Buchseiten besteht. Diese Löcher wurden allerdings nicht von Menschen produziert. Für seine Serie hat der Künstler britische Schulbücher aus der späten Kolonialzeit gesammelt und sie von einer Termitenkolonie zerfressen lassen. Sie sind Mitproduzenten der Kunst. Ohne Rücksicht auf koloniale Ideologien knabberten sich die Tiere durch das Papier.
Die zerfressenen Buchseiten sind eine Meditation über den Wandel. Sie zeigen einen Auflösungsprozess mit symbolischer Kraft. Er steht für den Zerfall des Kolonialismus und für den nach und nach schwindenden Einfluss der britischen Kolonialmacht auf Malaysia

Nagen am ideologischen Weltbild
Wong reflektiert auch die ökologischen und humanitären Schäden, die in der Kolonialzeit angerichtet wurden. Die Termiten nagen buchstäblich an einem Weltbild, in dem die weißen Herrschenden nicht nur über den Kolonialisierten stehen, sondern auch über allem auf der Erde. Das Verhältnis zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Geschichte interessiert Wong schon lange. In den 1990er-Jahren entwickelte er ein Interesse an der Migration von Pflanzen. Diese Beschäftigung führte ihn dazu, sich unter einer neuen Perspektive mit der Migration von Menschen, Herkunft, Kolonialisierung und Indigener Kultur auseinanderzusetzen.


Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Wong Hoy Cheong, Study for Colonies Bite Back, 2001
Buchseiten mit Termitenfraß
© Wong Hoy Cheong
Sammlung Deutsche Bank

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