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Shirin Neshat, Home of My Eyes, 2015

Kapitel: Home of My Eyes - Heimat und Exil

Informationen

Die Berührung verschiedener Ethnien und Sprachen
Shirin Neshats schwarz-weiße Porträts der Serie Home of My Eyes zeigen Menschen jeden Alters aus Aserbaidschan mit völlig unterschiedlicher Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit. Die in den USA lebende iranische Künstlerin, Fotografin und Filmemacherin setzt sich vor allem mit der Lage von Frauen im Iran auseinander, aber auch mit Fragen von Identität, Migration und Machtstrukturen. Für The Home of My Eyes (2015) fokussierte sie sich mit der Bevölkerung Aserbaidschans erstmals auf eine andere Gesellschaft, in der sich verschiedene Ethnien, Religionen und Sprachen sammeln, die ursprünglich etwa aus dem Iran, Armenien, Russland oder der Türkei stammen.

Das Essen der Mutter
Für ihre 55 Porträts stellte sie allen Teilnehmenden dieselbe Frage: Was bedeutet „Heimat“ für dich? Dabei war auch entscheidend, dass viele von ihnen einen migrantischen Hintergrund hatten und ihre Kultur in anderen Ländern verwurzelt war. Die meisten Befragten antworteten sehr einfach und pragmatisch, erinnert sich Neshat, oft waren es kleine Dinge: der Geruch des Essens der Mutter, die Blüten, die sich am ersten Frühlingstag in Baku öffnen.

Ein feines seismografisches Gewebe
Die Antworten wurden zunächst ins Englische und dann in Farsi übersetzt. Neshats Texte, die kalligrafisch über die Porträts geschrieben sind, überlagern jedes freie Stück Haut im Gesicht, auf den Armen und Händen. Sie ziehen sich wie ein haarfeines, seismografisches Gewebe über die Fotografien und vereinen die Antworten der Interviewten mit Gedichten von Nizami Ganjavi, einem iranischen Dichter aus dem 12. Jahrhundert, der im Gebiet des heutigen Aserbaidschan lebte.

Das Porträt eines Landes
Die Sprache ist bei Neshat im wahrsten Sinne in den Menschen eingeschrieben. Wie in ihrer eigenen Biografie sind auch hier die Gefühle von Heimat mit der Erinnerung an Entwurzelung, Verlust und Trauer verbunden. Zugleich ist Neshats Serie das Porträt eines Landes. Für sie vereinen sich die Porträtierten „zu einem Mosaik menschlicher Gesichter, das der reichen Kulturgeschichte Aserbaidschans und seiner Vielfalt Tribut zollt“.


Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Shirin Neshat, Malaksima, 2015
Aus der Serie The Home of My Eyes, 2015
Gelatinesilberabzug und Tusche auf Papier
© Shirin Neshat. Courtesy of the artist and Gladstone
Written Art Collection

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