Eine neue, bessere Welt Bereits vor Beginn ihrer Studienzeit in der Klasse von Joseph Beuys, zu der Knoebel von 1965 bis 1971 gehörte, hatten er und sein Freund Imi Giese sich intensiv mit der russischen Avantgarde und Kasimir Malewitsch, besonders dessen Schrift Suprematismus und die gegenstandslose Welt, beschäftigt. Der russische Konstruktivismus stand für eine der großen Utopien des beginnenden 20. Jahrhunderts – von einer geistigen, klaren, geometrischen Kunst, die mithelfen würde, eine neue, bessere Welt zu schaffen. Doch während Malewitsch, EL Lissitzky oder Wladimir Tatlin heute feste Größen in der Kunstgeschichte sind, war ihr Denken in der Wirtschaftswunder-BRD wie auch an der Düsseldorfer Akademie kaum bekannt.
Militant wie Kraftwerk Die beiden Künstler stilisierten sich mit kurz geschorenem Haar in der Hippiezeit wie russische Revolutionskünstler, militant wie die Band Kraftwerk oder später die Punk- und New-Wave-Szene. Auch ihr Atelier unterschied sich grundlegend von dem ihrer Mitstudierenden. So erinnert sich ihr Kommilitone Johannes Stüttgen: „Alles in ihm, das ganze Inventar, die Hartfaserplatten, die Hartfaserkuben und -quader, die Dachlatten, Hölzer, Winkel und Werkzeuge, alles war abgesteckt, abgezirkelt, reduziert, minimal, pur, perfekt, gerichtet, gemessen, geschichtet, akkurat, streng, übersichtlich, clean, professionell.“
Minimal und Baumarkt Auch nach dem Tod seines Freundes Imi Giese 1974 beschäftigt sich Knoebel mit Grundformen wie Kreuz, Linie und Rechteck und entwickelt eine reduzierte, konzeptuelle Kunst, die sehr mit der Minimal Art, aber auch mit dem Baumarkt und der industriellen Produktion verwandt ist. Zugleich experimentiert er in den frühen 1970er-Jahren mit Licht: Er will weg von der Materialität von Farbe, Tafelbild, Malgrund und hinein in den alltäglichen, realen Bildraum.
Mit der Lichtkanone durch die Nacht Knoebel bezieht Performance mit ein, fährt nachts mit einer auf das Auto montierten Lichtkanone durch die Stadt und projiziert abstrakte Formen an Hauswände, oder raus aus dem Fenster seines Studios. Er bearbeitet Dia-Rahmen, schwärzt deren Glasfenster und ritzt parallele gerade Linien ein, die sich verziehen, regelrecht aufbrechen, wenn sie auf Architekturen und Innenräume oder Möbel projiziert werden. Es entstehen Fotos von diesen Experimenten, die kosmisch anmuten. Und 1972 gestische Bleistiftzeichnungen, die diese radikale, transzendente Energie und Aufbruchstimmung festhalten, mit der Knoebels Kunst die bequem gewordene Konsumgesellschaft an die revolutionären Versprechen der Moderne erinnert.
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Eine neue, bessere Welt
Bereits vor Beginn ihrer Studienzeit in der Klasse von Joseph Beuys, zu der Knoebel von 1965 bis 1971 gehörte, hatten er und sein Freund Imi Giese sich intensiv mit der russischen Avantgarde und Kasimir Malewitsch, besonders dessen Schrift Suprematismus und die gegenstandslose Welt, beschäftigt. Der russische Konstruktivismus stand für eine der großen Utopien des beginnenden 20. Jahrhunderts – von einer geistigen, klaren, geometrischen Kunst, die mithelfen würde, eine neue, bessere Welt zu schaffen. Doch während Malewitsch, EL Lissitzky oder Wladimir Tatlin heute feste Größen in der Kunstgeschichte sind, war ihr Denken in der Wirtschaftswunder-BRD wie auch an der Düsseldorfer Akademie kaum bekannt.
Militant wie Kraftwerk
Die beiden Künstler stilisierten sich mit kurz geschorenem Haar in der Hippiezeit wie russische Revolutionskünstler, militant wie die Band Kraftwerk oder später die Punk- und New-Wave-Szene. Auch ihr Atelier unterschied sich grundlegend von dem ihrer Mitstudierenden. So erinnert sich ihr Kommilitone Johannes Stüttgen: „Alles in ihm, das ganze Inventar, die Hartfaserplatten, die Hartfaserkuben und -quader, die Dachlatten, Hölzer, Winkel und Werkzeuge, alles war abgesteckt, abgezirkelt, reduziert, minimal, pur, perfekt, gerichtet, gemessen, geschichtet, akkurat, streng, übersichtlich, clean, professionell.“
Minimal und Baumarkt
Auch nach dem Tod seines Freundes Imi Giese 1974 beschäftigt sich Knoebel mit Grundformen wie Kreuz, Linie und Rechteck und entwickelt eine reduzierte, konzeptuelle Kunst, die sehr mit der Minimal Art, aber auch mit dem Baumarkt und der industriellen Produktion verwandt ist. Zugleich experimentiert er in den frühen 1970er-Jahren mit Licht: Er will weg von der Materialität von Farbe, Tafelbild, Malgrund und hinein in den alltäglichen, realen Bildraum.
Mit der Lichtkanone durch die Nacht
Knoebel bezieht Performance mit ein, fährt nachts mit einer auf das Auto montierten Lichtkanone durch die Stadt und projiziert abstrakte Formen an Hauswände, oder raus aus dem Fenster seines Studios. Er bearbeitet Dia-Rahmen, schwärzt deren Glasfenster und ritzt parallele gerade Linien ein, die sich verziehen, regelrecht aufbrechen, wenn sie auf Architekturen und Innenräume oder Möbel projiziert werden. Es entstehen Fotos von diesen Experimenten, die kosmisch anmuten. Und 1972 gestische Bleistiftzeichnungen, die diese radikale, transzendente Energie und Aufbruchstimmung festhalten, mit der Knoebels Kunst die bequem gewordene Konsumgesellschaft an die revolutionären Versprechen der Moderne erinnert.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Imi Knoebel, Ohne Titel, 1972
Graphit auf Papier. Sechs Arbeiten
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Sammlung Deutsche Bank
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