Schreiben wie Picasso malt Natalie Czechs 2013 entstandene Fotowerke stammen aus ihrer Serie Poems by Repetition. Der Titel geht auf Gertrude Steins Theaterstück Saints and Singing (1922) zurück, das mit der Warnung endet: „Wiederhole dich nicht.“ Das ist natürlich Ironie. Denn wenn man etwas von dem Werk der amerikanischen Kunstsammlerin und Avantgarde-Autorin kennt, ist dies der Satz „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – dessen Poesie nur aus Wiederholung besteht.“ Gertrude Stein (1874–1946) war eine Pionierin des „literarischen Kubismus“. Sie wollte so abstrakt, multiperspektivisch und dekonstruiert schreiben wie Pablo Picasso oder George Braque malten. Und während die Maler Alltagsgegenstände optisch zerlegten, zerlegte Stein die Sprache, benutzte sie wie Form und Farbe, achtete viel mehr auf den Klang oder die Materialität der Wörter als auf Sinn oder Syntax. Sie behandelte ihre Texte wie Bilder oder Musik.
Die Wiederholung der Wiederholung Diese Strategie des Collagierens und der Wiederholung ist bis heute in der Massenkultur zentral. Czech, die bei dem Fotokünstler Thomas Ruff in Düsseldorf studierte, arbeitet wie Gertrude Stein an den Grenzen von Text, Bild und Poesie, nur mit den Mitteln der Fotografie. Sie holt diese moderne Strategie, die im Jazz, im Kubismus, in Andy Warhols Siebdrucken, der Minimal Art genauso wie im Sampeln, in Hip-Hop, Techno oder in Memes zuhause ist, ins 21. Jahrhundert. Sie „wiederholt“ hier Dichtungen von drei US- Künstlern und Poeten, die selbst Wiederholung als Stilmittel benutzten: Hart Crane (1899–1932), einem Visionär der Moderne, dem Fluxus-Künstler Emmett Williams (1925–2007) und Gregory Corso (1930–2001), einem Dichter der Beat-Generation.
Die nostalgische Aura von Punk und Wave Czech greift bei den Motiven auf unterschiedliche Medien wie Magazine, Plattencover, Bücher, iPad-Ausgaben oder wie im Fall von A poem by Repetition by Hart Crane auf Kindle-Reader zurück. Demonstrativ liegt ein Bleistift neben dem Kindle-Stift. Czech geht es nicht nur um die Wiederholung von Bildern oder Texten, sondern um mediale Wiederholung, vom Analogen ins Digitale und wieder zurück zum Analogen. Vieles in diesen Poemen hat die nostalgische Aura von Punk und Wave, Montage und Copy Art, den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren, dem Höhepunkt der Postmoderne. Auf allen drei Arbeiten macht die Künstlerin Gedichtzitate sichtbar, indem sie Fragmente von Gedichten durch Markierungen in vorgefundenen Texten oder auf beschrifteten Objekten markiert oder hervorhebt.
A Man. A Woman. Amen Im Fall von Emmett Williams ist das ein Amplifier zur elektronischen Klangverzerrung für die E-Gitarre, auf dem das Marken-Logo „American Woman“ prangt. Czech fotografiert die mintgrüne Box in drei Varianten, die sie in unterschiedlichen Ausschnitten rahmt und jedes Mal andere Buchstaben aus dem Logo digital entfernt. Dann setzt sie die drei Bilder, die immer wieder den gleichen, unterschiedlich bearbeiteten Schriftzug zeigen, untereinander. Aus den Buchstaben, die übrig bleiben, entsteht Williams minimales Gedicht: „A Man. A Woman. Amen.“ Dabei ist Czechs Arbeit selbst wie ein Echo, ein Beat oder Rhythmus, ein Stottern, Text und Bild, das man gleichzeitig sieht und liest.
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Schreiben wie Picasso malt
Natalie Czechs 2013 entstandene Fotowerke stammen aus ihrer Serie Poems by Repetition. Der Titel geht auf Gertrude Steins Theaterstück Saints and Singing (1922) zurück, das mit der Warnung endet: „Wiederhole dich nicht.“ Das ist natürlich Ironie. Denn wenn man etwas von dem Werk der amerikanischen Kunstsammlerin und Avantgarde-Autorin kennt, ist dies der Satz „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – dessen Poesie nur aus Wiederholung besteht.“ Gertrude Stein (1874–1946) war eine Pionierin des „literarischen Kubismus“. Sie wollte so abstrakt, multiperspektivisch und dekonstruiert schreiben wie Pablo Picasso oder George Braque malten. Und während die Maler Alltagsgegenstände optisch zerlegten, zerlegte Stein die Sprache, benutzte sie wie Form und Farbe, achtete viel mehr auf den Klang oder die Materialität der Wörter als auf Sinn oder Syntax. Sie behandelte ihre Texte wie Bilder oder Musik.
Die Wiederholung der Wiederholung
Diese Strategie des Collagierens und der Wiederholung ist bis heute in der Massenkultur zentral. Czech, die bei dem Fotokünstler Thomas Ruff in Düsseldorf studierte, arbeitet wie Gertrude Stein an den Grenzen von Text, Bild und Poesie, nur mit den Mitteln der Fotografie. Sie holt diese moderne Strategie, die im Jazz, im Kubismus, in Andy Warhols Siebdrucken, der Minimal Art genauso wie im Sampeln, in Hip-Hop, Techno oder in Memes zuhause ist, ins 21. Jahrhundert. Sie „wiederholt“ hier Dichtungen von drei US- Künstlern und Poeten, die selbst Wiederholung als Stilmittel benutzten: Hart Crane (1899–1932), einem Visionär der Moderne, dem Fluxus-Künstler Emmett Williams (1925–2007) und Gregory Corso (1930–2001), einem Dichter der Beat-Generation.
Die nostalgische Aura von Punk und Wave
Czech greift bei den Motiven auf unterschiedliche Medien wie Magazine, Plattencover, Bücher, iPad-Ausgaben oder wie im Fall von A poem by Repetition by Hart Crane auf Kindle-Reader zurück. Demonstrativ liegt ein Bleistift neben dem Kindle-Stift. Czech geht es nicht nur um die Wiederholung von Bildern oder Texten, sondern um mediale Wiederholung, vom Analogen ins Digitale und wieder zurück zum Analogen. Vieles in diesen Poemen hat die nostalgische Aura von Punk und Wave, Montage und Copy Art, den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren, dem Höhepunkt der Postmoderne. Auf allen drei Arbeiten macht die Künstlerin Gedichtzitate sichtbar, indem sie Fragmente von Gedichten durch Markierungen in vorgefundenen Texten oder auf beschrifteten Objekten markiert oder hervorhebt.
A Man. A Woman. Amen
Im Fall von Emmett Williams ist das ein Amplifier zur elektronischen Klangverzerrung für die E-Gitarre, auf dem das Marken-Logo „American Woman“ prangt. Czech fotografiert die mintgrüne Box in drei Varianten, die sie in unterschiedlichen Ausschnitten rahmt und jedes Mal andere Buchstaben aus dem Logo digital entfernt. Dann setzt sie die drei Bilder, die immer wieder den gleichen, unterschiedlich bearbeiteten Schriftzug zeigen, untereinander. Aus den Buchstaben, die übrig bleiben, entsteht Williams minimales Gedicht: „A Man. A Woman. Amen.“ Dabei ist Czechs Arbeit selbst wie ein Echo, ein Beat oder Rhythmus, ein Stottern, Text und Bild, das man gleichzeitig sieht und liest.
Audio
Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Natalie Czech, A poem by Repetition by Emmett Williams, 2013
Acryl auf C-Print. Dreiteilig
© Natalie Czech/Galerie Kadel Willborn/VG Bild-Kunst Bonn 2026
Written Art Collection
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