Tagträume und Obsessionen Auf den ersten Blick erinnern die Zeichnungen des kanadischen Künstlers Marcel Dzama häufig an Illustrationen aus Kinderbüchern, an Tagträume, in denen alles möglich scheint: sprechende Bäume, Cowboys, die auf musizierende Bären treffen, Menschen mit Tierköpfen. Doch schaut man genauer hin, werden immer die Faszination für Gewalt und die Obsessionen sichtbar, die diesen Kosmos antreiben.
Ein Tag in Dublin So auch in seiner Version eines der berühmtesten Romane der Moderne: James Joyces Ulysses. Die fast 6,5 Meter lange Arbeit orientiert sich an den Erlebnissen von Leopold Bloom, der Hauptfigur. Wie im Buch folgt auch der Bilderreigen dem Romanhelden einen Tag lang durch das Dublin des anbrechenden 20. Jahrhunderts. Dabei wird Bloom in verschiedene spontane, absurde und erotische Szenen verwickelt. Seinem Weg folgen die Betrachter anhand einer blau gestrichelten Linie, die sich über die gesamte Arbeit zieht.
Die Akteure Wie bei einer Bühneninszenierung lässt Dzama die verschiedenen Protagonisten der Dubliner Gesellschaft auftreten: Bürger, Soldaten, Arbeiter, Tänzerinnen, Prostituierte, Gäste auf der Rennbahn. Und da sind auch der von Dzama verehrte Joyce und der Seefahrer Odysseus zu sehen, dessen Irrfahrten den irischen Autor zu seinem Epochenroman inspirierten.
Burlesque und Beckett-Inszenierung Mit seinem 1922 erschienenen Buch führt Joyce die Literatur in die Moderne. Er verwendet die Erzähltechnik des fließenden Bewusstseinsstroms, in der sich die innere Gedankenwelt der Charaktere in Zeitgeschichte spiegelt. Fast ein Jahrhundert später erzählt Dzama Joyces’ Geschichte wie eine Mischung aus Burlesque und Beckett-Inszenierung nach, in der auch der Geist des Faschismus spukt – eine Ideologie, die eng mit den größenwahnsinnigen Utopien der Moderne verbunden ist. Dzama entwickelt eine völlig eigenwillige Form des Storytelling, in der episches und existenzielles Theater, Literatur, Poesie und Cartoon verschmelzen. Dass der Künstler seine Version von Joyces’ Epos auf gestanztem Notenrollenpapier realisiert, das man von Leierkästen und Musikorgeln auf Jahrmärkten und Volksfesten kennt, betont den balladenhaften, derben Charakter der Erzählung, aber auch die ewige, fast mechanische Wiederholung von Geschichte.
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Tagträume und Obsessionen
Auf den ersten Blick erinnern die Zeichnungen des kanadischen Künstlers Marcel Dzama häufig an Illustrationen aus Kinderbüchern, an Tagträume, in denen alles möglich scheint: sprechende Bäume, Cowboys, die auf musizierende Bären treffen, Menschen mit Tierköpfen. Doch schaut man genauer hin, werden immer die Faszination für Gewalt und die Obsessionen sichtbar, die diesen Kosmos antreiben.
Ein Tag in Dublin
So auch in seiner Version eines der berühmtesten Romane der Moderne: James Joyces Ulysses. Die fast 6,5 Meter lange Arbeit orientiert sich an den Erlebnissen von Leopold Bloom, der Hauptfigur. Wie im Buch folgt auch der Bilderreigen dem Romanhelden einen Tag lang durch das Dublin des anbrechenden 20. Jahrhunderts. Dabei wird Bloom in verschiedene spontane, absurde und erotische Szenen verwickelt. Seinem Weg folgen die Betrachter anhand einer blau gestrichelten Linie, die sich über die gesamte Arbeit zieht.
Die Akteure
Wie bei einer Bühneninszenierung lässt Dzama die verschiedenen Protagonisten der Dubliner Gesellschaft auftreten: Bürger, Soldaten, Arbeiter, Tänzerinnen, Prostituierte, Gäste auf der Rennbahn. Und da sind auch der von Dzama verehrte Joyce und der Seefahrer Odysseus zu sehen, dessen Irrfahrten den irischen Autor zu seinem Epochenroman inspirierten.
Burlesque und Beckett-Inszenierung
Mit seinem 1922 erschienenen Buch führt Joyce die Literatur in die Moderne. Er verwendet die Erzähltechnik des fließenden Bewusstseinsstroms, in der sich die innere Gedankenwelt der Charaktere in Zeitgeschichte spiegelt. Fast ein Jahrhundert später erzählt Dzama Joyces’ Geschichte wie eine Mischung aus Burlesque und Beckett-Inszenierung nach, in der auch der Geist des Faschismus spukt – eine Ideologie, die eng mit den größenwahnsinnigen Utopien der Moderne verbunden ist.
Dzama entwickelt eine völlig eigenwillige Form des Storytelling, in der episches und existenzielles Theater, Literatur, Poesie und Cartoon verschmelzen. Dass der Künstler seine Version von Joyces’ Epos auf gestanztem Notenrollenpapier realisiert, das man von Leierkästen und Musikorgeln auf Jahrmärkten und Volksfesten kennt, betont den balladenhaften, derben Charakter der Erzählung, aber auch die ewige, fast mechanische Wiederholung von Geschichte.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Marcel Dzama, Ulysses, 2009
Grafit, Tusche, Aquarell und Transparentpapier auf Notenrolle
© Marcel Dzama, Courtesy Sies + Höke, Düsseldorf
Sammlung Deutsche Bank
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