Östlich der Berliner und westlich der Chinesischen Mauer „Für uns geht es in der Kunst um Einschnitte, Störungen“, sagt das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars. „Es geht um Überraschungen und Transformation, und diese können nur in einem Raum stattfinden, der zur Kontemplation und Stille einlädt. Mit der Gegenwart ist das nicht möglich, sie ist zu laut. In gewisser Weise vertreten wir eine antimodernistische Position; wir fragen uns, wie wir vorankommen können, indem wir auf die Vergangenheit blicken.“ Das von Kasia Korczak und Payam Sharifi 2006 in Berlin gegründete Kunstkollektiv, das in Institutionen rund um die Welt ausstellt, widmet sich dem Gebiet „östlich der Berliner und westlich der Chinesischen Mauer, bekannt als Eurasien“. Dabei arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Medien und Strategien, widmen sich spirituellen und esoterischen Traditionen, Oral History, modernen Mythen und wissenschaftlicher Forschung.
Blick zurück in die Vergangenheit Eines der berühmtesten Zitate der Gruppe ist: „Die Zukunft ist sicher. Es ist die Vergangenheit, die unvorhersehbar ist.“ So ist auch „antimodern“ nicht als Ablehnung von Technologie oder Forschung gemeint, sondern als Kritik an der Fortschrittsgläubigkeit, der eurozentrischen Perspektive der westlichen Moderne. Der Blick zurück fällt also auf das Erbe des Kolonialismus und die Zerstörung und Ausbeutung der Umwelt.
Der Held auf dem Esel Die Skulptur von Molla Nasreddin, der rückwärts auf seinem Esel reitend dargestellt wird, also nach vorne reitet und nach hinten schaut, verkörpert dieses Denken ganz gut. Der Mann mit dem Turban ist eine Art Volksheld, der ähnlich wie Till Eulenspiegel den Mächtigen den Spiegel vorhält. Nasreddin tritt in verschiedenen Gestalten und unter verschiedenen Namen von Marokko bis Kroatien, vom Sudan bis China auf. Mit seinem messerscharfen Humor, der Moral und Ethik hinterfragt, ist er rückwirkend zu einer Art Maskottchen für Slavs and Tatars geworden.
Entdeckung in Baku Das Künstlerpaar entdeckte die Figur vor einigen Jahren bei einem Besuch in Baku in Aserbaidschan. In einem Antiquariat stießen sie auf das aserbaidschanische Satiremagazin Molla Nasreddin, das von 1906 bis 1932 herausgegeben wurde und dem nach dem legendären Sufi-Weisen und Narren aus dem Mittelalter benannt war. Mit bissigem Humor und fesselnden, realistischen Illustrationen, „die an einen kaukasischen Honoré Daumier oder Toulouse-Lautrec erinnern“, griff die Zeitschrift die Heuchelei der muslimischen Geistlichkeit, die Kolonialpolitik der USA und der europäischen Nationen an. Zugleich trat sie für Frauenrechte ein. Slavs and Tatars haben ihrem Sufi-Superhelden ein alltägliches, cartoonartiges Denkmal errichtet, das sich an Kinder richtet, an die Generationen, die mit unserer Vergangenheit leben müssen.
Informationen
Östlich der Berliner und westlich der Chinesischen Mauer
„Für uns geht es in der Kunst um Einschnitte, Störungen“, sagt das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars. „Es geht um Überraschungen und Transformation, und diese können nur in einem Raum stattfinden, der zur Kontemplation und Stille einlädt. Mit der Gegenwart ist das nicht möglich, sie ist zu laut. In gewisser Weise vertreten wir eine antimodernistische Position; wir fragen uns, wie wir vorankommen können, indem wir auf die Vergangenheit blicken.“ Das von Kasia Korczak und Payam Sharifi 2006 in Berlin gegründete Kunstkollektiv, das in Institutionen rund um die Welt ausstellt, widmet sich dem Gebiet „östlich der Berliner und westlich der Chinesischen Mauer, bekannt als Eurasien“. Dabei arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Medien und Strategien, widmen sich spirituellen und esoterischen Traditionen, Oral History, modernen Mythen und wissenschaftlicher Forschung.
Blick zurück in die Vergangenheit
Eines der berühmtesten Zitate der Gruppe ist: „Die Zukunft ist sicher. Es ist die Vergangenheit, die unvorhersehbar ist.“ So ist auch „antimodern“ nicht als Ablehnung von Technologie oder Forschung gemeint, sondern als Kritik an der Fortschrittsgläubigkeit, der eurozentrischen Perspektive der westlichen Moderne. Der Blick zurück fällt also auf das Erbe des Kolonialismus und die Zerstörung und Ausbeutung der Umwelt.
Der Held auf dem Esel
Die Skulptur von Molla Nasreddin, der rückwärts auf seinem Esel reitend dargestellt wird, also nach vorne reitet und nach hinten schaut, verkörpert dieses Denken ganz gut. Der Mann mit dem Turban ist eine Art Volksheld, der ähnlich wie Till Eulenspiegel den Mächtigen den Spiegel vorhält. Nasreddin tritt in verschiedenen Gestalten und unter verschiedenen Namen von Marokko bis Kroatien, vom Sudan bis China auf. Mit seinem messerscharfen Humor, der Moral und Ethik hinterfragt, ist er rückwirkend zu einer Art Maskottchen für Slavs and Tatars geworden.
Entdeckung in Baku
Das Künstlerpaar entdeckte die Figur vor einigen Jahren bei einem Besuch in Baku in Aserbaidschan. In einem Antiquariat stießen sie auf das aserbaidschanische Satiremagazin Molla Nasreddin, das von 1906 bis 1932 herausgegeben wurde und dem nach dem legendären Sufi-Weisen und Narren aus dem Mittelalter benannt war. Mit bissigem Humor und fesselnden, realistischen Illustrationen, „die an einen kaukasischen Honoré Daumier oder Toulouse-Lautrec erinnern“, griff die Zeitschrift die Heuchelei der muslimischen Geistlichkeit, die Kolonialpolitik der USA und der europäischen Nationen an. Zugleich trat sie für Frauenrechte ein. Slavs and Tatars haben ihrem Sufi-Superhelden ein alltägliches, cartoonartiges Denkmal errichtet, das sich an Kinder richtet, an die Generationen, die mit unserer Vergangenheit leben müssen.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Slavs and Tatars, Molla Nasreddin the antimodern, 2012
Glasfaser, Lack, Stahl
© Slavs and Tatars
Written Art Collection
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