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Qiu Zhijie, 24 World Maps, 2015-2017

Kapitel: Map of Utopia - Geschichte, Kartografie, Weltentwurf

Informationen

Konzeptkunst, tief in uralten Traditionen verwurzelt
Qiu Zhijie ist Theoretiker, Kurator und ein Künstler, der mit einer Vielzahl von Medien arbeitet. Er gilt heute als einer der größten Innovatoren der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Seine konzeptionellen, poetischen Werke sind voller existenziellem Humor, enthalten philosophische Kommentare zu Kunst, Kultur, Politik oder dem Alltag im digitalen 21. Jahrhundert. Zugleich sind sie tief in uralten Traditionen wie der Tuschemalerei und Kalligrafie verwurzelt, die er seit seiner Kindheit praktiziert.

Alles ist miteinander verbunden
Aus der Synthese von Forschung, Schreiben, Imagination und Aktion begann er 2010 das Projekt „Mapping the World“. In Hunderten von Karten, die seitdem entstanden, skizziert Qiu mit Tusche- und Pinseltechniken der Landschaftsmalerei ein Koordinatensystem, das Ideen, Personen, Objekte und Ereignisse miteinander verwebt und in Beziehung zueinander setzt. Der Künstler präsentiert mit seinen Zyklen von Landkarten eine rationale Weltsicht, in der zumindest vordergründig alles relational miteinander verbunden und darstellbar ist. Ein Ziel seiner Arbeit ist, Kunst mit dem Leben, der Gesellschaft und der Wissenschaft zu verbinden.

Fiktive Landkarten
Die vier Karten in der Ausstellung stammen aus Qius 24-teiligen Zyklus World Maps. Mit Tusche und Aquarell auf Papier gezeichnet, immer zweisprachig, in englischer und chinesischer Schrift geschrieben, widmet sich jede der fiktiven Landkarten einem eigenen Themenbereich, etwa Architektur, Erzählungen, Spielen, Kunst und Alltag, Schicksal, menschlichen Emotionen, Erinnerungen oder Krankheiten.

Imitation des Lebens
Manche Karten folgen dabei auch einer inneren, themenspezifischen Logik in ihren landschaftlichen Strukturen: Die Map of Architecture zeigt einen Stadtplan, die Map of Body zeichnet mit Flussverläufen eine menschliche Figur nach. So sagt Qiu zu seiner Map of Games: „Dazu gehören auch Casino-, Theater- und Computerspiele. Einige Spiele fordern zum Wettbewerb heraus, andere ahmen das kollektive soziale Leben nach, wie beispielsweise Schach. Alle Schachspiele sind Imitationen des Krieges. Und jedes dieser Computerspiele ist natürlich völliger Krieg. Manche Spiele sind mit dem Schicksal verbunden. Alle Glücksspiele haben mit Schicksal und Vorsehung zu tun.“

Es trotzdem versuchen
Aber sie haben auch mit dem Verlieren zu tun. So steht im Titel der Game-Landkarte Used to Being a Loser. Qius Vorhaben, die „gesamte“ innere und äußere Welt, unsere völlig unübersichtliche, immer undurchschaubarere Gegenwart kartografieren zu wollen, hat etwas schier Aussichtsloses, so als wolle man den Strand fegen. Es ist auch ziemlich ernüchternd, wenn er den Kreislauf von Revolutionen kartografiert oder in seiner Map of Utopia die Vielzahl von Leuten festhält, die sich in der Menschheitsgeschichte bereits zum Messias erklärten. In diesem Sinne sind die monumentalen und gleichzeitig akribisch ausgeführten Landkarten als Systeme oder Denkmodelle konzeptionell immer auch zum Scheitern verurteilt. Dass er es trotzdem versucht, ist ein großes Thema in Qius Kunst.

Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.

Qiu Zhijie
Map of Games - Used to Being a Loser, 2015
Map of Art and Everyday Life - The Poets Even Been Driven Out of the Republic by Plato, 2015
Map of Utopia - People Claimed to Be Messiah Crowding History, 2015
Aus der Serie 24 World Maps, 2015-2017
Tusche auf Papier auf Leinwand
© Qiu Zhijie
Written Art Collection

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