Eine Hommage an Godard Der Titel von Ellen Gallaghers La Chinoise ist eine Hommage an Jean-Luc Godards gleichnamigen Film von 1967. Dieser war von der damals noch jungen Kulturrevolution in China inspiriert, bei der im Laufe eines Jahrzehnts mehrere Millionen Menschen starben. Es geht bei ihm um die Mitglieder einer maoistischen Pariser Kommune, die über den Sozialismus, den Vietnamkrieg, die Notwendigkeit von Gewalt beim Kampf gegen das Establishment diskutieren. Doch ihre plakative, simple Weltsicht und ihr praktisches Unvermögen lassen die hochtrabenden Pläne slapstickhaft und blutig scheitern.
Die politische Revolution ist die Form In diesem Film bricht Godard, wie in seinen anderen Werken der 1960er-Jahre mit allen gängigen Erzähltraditionen und folgt keiner klaren Handlung. Er zitiert, montiert, collagiert und kommentiert, setzt Comics und Comicsprache ein, experimentiert mit Schnitt, Ton und Farbe. Während die Revolutionäre im Film scheitern, geht der Film dabei das Medium Film auf eine völlig revolutionäre Weise an. Die eigentliche politische Revolution ist nicht die Erzählung, sondern die filmische Form, in der über Revolution und Film nachgedacht wird.
Fragmentierte Erzählungen Gallagher überträgt mit ihren Zeichnungen, Gemälden und Collagen diese Vorgehensweise in die bildende Kunst des 21. Jahrhunderts. Auch hier geht es um Form, fragmentierte Erzählungen, die immer auch das Medium selbst reflektieren. Und um Befreiung von jahrhundertelanger Unterdrückung. Gallagher beschäftigt sich mit Kolonialgeschichte, afroamerikanischer Identität, afrikanischer Diaspora, Rassismus, dem Verlust und der Wiedergewinnung Schwarzer Erzählungen.
Afrofuturismus Ihre Kunst wird oft im Zusammenhang mit dem Afrofuturismus gesehen, einer Ästhetik, Philosophie und künstlerischen Bewegung, die Elemente aus Science-Fiction, Fantasy, Geschichte und Technologie mit der Erfahrung der afrikanischen Diaspora verbindet. Tatsächlich erinnern viele der historischen, mythischen und fiktiven Figuren, die bei ihr auftauchen, an Horror- und Fantasy-Filme wie Black Panther oder Blood & Sinners, die von Afrofuturismus geprägt sind.
Schneckenartiges Alien La Chinoise ist der Titel von zwei Collagearbeiten, in denen geometrische, strenge Formen auf organische Elemente stoßen. Auf der Arbeit aus der Sammlung Deutsche Bank erkennt man ein Raster aus rechteckigen Papierstücken und Textausschnitten, aus denen gespenstische Köpfe mit Papplocken und ein schneckenartiges außerirdisches Wesen wachsen. Die Rasterstruktur ist eine Anspielung auf die Minimal Art, einer von weißen Männern dominierten Kunstströmung der 1960er- und 1970er-Jahre, die sehr clean und geometrisch reduziert war. Nicht nur der Blob und die Köpfe brechen mit dieser angestrebten Reinheit und Zen-Leere, sondern auch die reingeklebten Textstücke.
Geschichte als Konstrukt Ein Text ist Beschreibung des Boxstils von Sonny Liston (1932–1970), einem schwarzen Boxer, der in den 1960er-Jahren zweimal Schwergewichtsweltmeister war und von Muhammad Ali besiegt wurde. Liston war drogensüchtig und mit dem organisierten Verbrechen verbunden; er hätte auch eine typische Godard-Figur sein können. Der andere Text thematisiert die Regierung von Félix Éboué (1884–1944), einem schwarzen, französischen Kolonialpolitiker, der Generalgouverneur von Französisch-Äquatorialafrika war. Die gestückelten Textblöcke, die sich durch das Bild ziehen, erinnern an die Schnitte und Montagen von Godard, an seinen Ansatz, die Geschichte nicht binär nachzuerzählen, sondern zu stören und als Konstrukt in Frage stellen.
Informationen
Eine Hommage an Godard
Der Titel von Ellen Gallaghers La Chinoise ist eine Hommage an Jean-Luc Godards gleichnamigen Film von 1967. Dieser war von der damals noch jungen Kulturrevolution in China inspiriert, bei der im Laufe eines Jahrzehnts mehrere Millionen Menschen starben. Es geht bei ihm um die Mitglieder einer maoistischen Pariser Kommune, die über den Sozialismus, den Vietnamkrieg, die Notwendigkeit von Gewalt beim Kampf gegen das Establishment diskutieren. Doch ihre plakative, simple Weltsicht und ihr praktisches Unvermögen lassen die hochtrabenden Pläne slapstickhaft und blutig scheitern.
Die politische Revolution ist die Form
In diesem Film bricht Godard, wie in seinen anderen Werken der 1960er-Jahre mit allen gängigen Erzähltraditionen und folgt keiner klaren Handlung. Er zitiert, montiert, collagiert und kommentiert, setzt Comics und Comicsprache ein, experimentiert mit Schnitt, Ton und Farbe. Während die Revolutionäre im Film scheitern, geht der Film dabei das Medium Film auf eine völlig revolutionäre Weise an. Die eigentliche politische Revolution ist nicht die Erzählung, sondern die filmische Form, in der über Revolution und Film nachgedacht wird.
Fragmentierte Erzählungen
Gallagher überträgt mit ihren Zeichnungen, Gemälden und Collagen diese Vorgehensweise in die bildende Kunst des 21. Jahrhunderts. Auch hier geht es um Form, fragmentierte Erzählungen, die immer auch das Medium selbst reflektieren. Und um Befreiung von jahrhundertelanger Unterdrückung. Gallagher beschäftigt sich mit Kolonialgeschichte, afroamerikanischer Identität, afrikanischer Diaspora, Rassismus, dem Verlust und der Wiedergewinnung Schwarzer Erzählungen.
Afrofuturismus
Ihre Kunst wird oft im Zusammenhang mit dem Afrofuturismus gesehen, einer Ästhetik, Philosophie und künstlerischen Bewegung, die Elemente aus Science-Fiction, Fantasy, Geschichte und Technologie mit der Erfahrung der afrikanischen Diaspora verbindet. Tatsächlich erinnern viele der historischen, mythischen und fiktiven Figuren, die bei ihr auftauchen, an Horror- und Fantasy-Filme wie Black Panther oder Blood & Sinners, die von Afrofuturismus geprägt sind.
Schneckenartiges Alien
La Chinoise ist der Titel von zwei Collagearbeiten, in denen geometrische, strenge Formen auf organische Elemente stoßen. Auf der Arbeit aus der Sammlung Deutsche Bank erkennt man ein Raster aus rechteckigen Papierstücken und Textausschnitten, aus denen gespenstische Köpfe mit Papplocken und ein schneckenartiges außerirdisches Wesen wachsen. Die Rasterstruktur ist eine Anspielung auf die Minimal Art, einer von weißen Männern dominierten Kunstströmung der 1960er- und 1970er-Jahre, die sehr clean und geometrisch reduziert war. Nicht nur der Blob und die Köpfe brechen mit dieser angestrebten Reinheit und Zen-Leere, sondern auch die reingeklebten Textstücke.
Geschichte als Konstrukt
Ein Text ist Beschreibung des Boxstils von Sonny Liston (1932–1970), einem schwarzen Boxer, der in den 1960er-Jahren zweimal Schwergewichtsweltmeister war und von Muhammad Ali besiegt wurde. Liston war drogensüchtig und mit dem organisierten Verbrechen verbunden; er hätte auch eine typische Godard-Figur sein können. Der andere Text thematisiert die Regierung von Félix Éboué (1884–1944), einem schwarzen, französischen Kolonialpolitiker, der Generalgouverneur von Französisch-Äquatorialafrika war. Die gestückelten Textblöcke, die sich durch das Bild ziehen, erinnern an die Schnitte und Montagen von Godard, an seinen Ansatz, die Geschichte nicht binär nachzuerzählen, sondern zu stören und als Konstrukt in Frage stellen.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Ellen Gallagher, La Chinoise, 2008
Bleistift, Tusche, Aquarell, Wachs, Japanpapier, Pappe und geschnittenes Papier auf Papier
© Ellen Gallagher. Courtesy of the artist and Hauser & Wirth
Sammlung Deutsche Bank
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