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Osman Bozkurt, Marks of Democracy / Portraits of the Voters, 2002

Kapitel: Small Right Hand Down - Demokratie und Freiheit

Informationen

Der türkische Künstler Osman Bozkurt studierte Fotografie und begann seine künstlerische Laufbahn Anfang der 2000er-Jahre. 2002 entstand sein bislang wohl bekanntestes Werk, die Fotoserie Marks of Democracy / Portraits of the Voters, die auch 2021 in der Ausstellung Power to the People in der Frankfurter Schirn Kunsthalle vertreten war.
Bozkurt zeigt in Großaufnahme die Finger anonymer Menschen, an denen noch die Tinte als Markierung haftet – als Zeichen, dass die Bürger*innen gewählt haben. Das Markieren eines Fingers mit spezieller, haltbarer Tinte nach der Stimmabgabe ist eine Methode, um Mehrfachwahlen zu verhindern und die Integrität von Wahlen zu gewährleisten. Diese Praxis zur Vorbeugung von Wahlbetrug wird insbesondere in Ländern angewandt, in denen keine elektronischen Wählerverzeichnisse existieren. Die Tinte enthält oft Silbernitrat, das mit dem Keratin der Haut reagiert und einen Fleck hinterlässt, der erst mit der natürlichen Hauterneuerung nach Tagen oder Wochen verschwindet.

2002 war dieses Verfahren noch in der Türkei verbreitet, wurde aber wenige Jahre später abgeschafft. Auf den ersten Blick scheint Bozkurts Fotoarbeit eine Huldigung an die Demokratie und die Menschen, die ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen. Anders als der Titel suggeriert, sind die Gesichter dieser Wähler*innen auf der Fotoarbeit nicht zu sehen, das Individuum spielt keine Rolle. Die bei der Wahl mit Tinte befleckten Finger in Bozkurts Fotoserie lassen keine Rückschlüsse darauf zu, wen sie gewählt haben. Sinnigerweise stammen diese Zeichen von der Wahl 2002, einer Zeit, die das Aufkommen autoritärer Strukturen ankündigte.


Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Osman Bozkurt, Marks of Democracy / Portraits of the Voters, 2002
C-Print. Fünf Arbeiten
© Osman Bozkurt
Sammlung Deutsche Bank

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