Das Material spricht für sich Annette Kelm gehört zu einer Generation von Künstler*innen, deren Arbeit Anfang der 2000er-Jahre eine Idee verkörperten: „Politische Kunst“ muss nicht unbedingt „Inhalte“, also Meinungen, historische Fakten oder Theorien realistisch thematisieren oder versinnbildlichen. Sie kann auch abstrakt, total nüchtern sein, eine politische oder kulturelle Haltung ohne offensichtlichen Kommentar nur durch formale Entscheidungen, bestimmte Materialien, Design vermitteln. Das Material und die Form sprechen für sich selbst.
Alltägliche und vergängliche Objekte Kelm hinterfragt in ihrer fotografischen Praxis die soziokulturelle Geschichte, die in Objekten, Design und industriellen Produkten verankert ist. Durch die Fotografie alltäglicher und vergänglicher Objekte – von Büchern, die von Verfolgten des Nationalsozialismus verfasst wurden, bis hin zu industriellen Materialien oder Kleidungsstücken zeigt sie, wie die Welt der Dinge durch historische, politische und wirtschaftliche Kräfte geprägt wird.
Typologien Ihr Ansatz basiert auf formaler Präzision und konzeptioneller Strenge. In ihrer Arbeit interessiert sich Kelm für die Funktion von Objekten und die Art ihrer Darstellung, für Typologien. Dabei nutzt sie häufig Serienbilder von einzelnen Motiven, um eine Vielzahl von künstlerischen, historischen und interkulturellen Bezügen zu kombinieren. Jeans Buttons stammt aus einer kleinen Werkserie, die immer denselben Ausschnitt einer blauen Jeansjacke zeigt. Jedes Werk zeigt eine andere Konstellation von historischen Buttons mit politischen Statements, die auf der Vorderseite des Kleidungsstücks angebracht sind: Peace-Zeichen, das Ying-und-Yang-Symbol, politische Botschaften wie „Keep Abortion Legal“ „International Women’s Day, 8 March 1975“, „Human Rights“ oder „Have a Gay Day“.
Von der Massenkultur absorbiert Die Serie hat etwas Nostalgisches, genau wie die Buttons, die an die Hippiezeit, Frauenrechts-, Friedens- oder Schwulenbewegung erinnern. Doch durch die Kombination und Wiederholung entsteht auch Distanz, regelrechte Ernüchterung, fast so etwas wie Banalität. Jeans Buttons erinnert an die Bedeutung aktivistischer Gesten im Alltag. Aber auch daran, wie diese Gesten von der Massenkultur als Ausdruck von Lifestyle und Identität absorbiert und vermarktet wurden, während die erkämpften Rechte von einst mit dem Vormarsch autoritärer Systeme wieder abgeschafft werden.
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Das Material spricht für sich
Annette Kelm gehört zu einer Generation von Künstler*innen, deren Arbeit Anfang der 2000er-Jahre eine Idee verkörperten: „Politische Kunst“ muss nicht unbedingt „Inhalte“, also Meinungen, historische Fakten oder Theorien realistisch thematisieren oder versinnbildlichen. Sie kann auch abstrakt, total nüchtern sein, eine politische oder kulturelle Haltung ohne offensichtlichen Kommentar nur durch formale Entscheidungen, bestimmte Materialien, Design vermitteln. Das Material und die Form sprechen für sich selbst.
Alltägliche und vergängliche Objekte
Kelm hinterfragt in ihrer fotografischen Praxis die soziokulturelle Geschichte, die in Objekten, Design und industriellen Produkten verankert ist. Durch die Fotografie alltäglicher und vergänglicher Objekte – von Büchern, die von Verfolgten des Nationalsozialismus verfasst wurden, bis hin zu industriellen Materialien oder Kleidungsstücken zeigt sie, wie die Welt der Dinge durch historische, politische und wirtschaftliche Kräfte geprägt wird.
Typologien
Ihr Ansatz basiert auf formaler Präzision und konzeptioneller Strenge. In ihrer Arbeit interessiert sich Kelm für die Funktion von Objekten und die Art ihrer Darstellung, für Typologien. Dabei nutzt sie häufig Serienbilder von einzelnen Motiven, um eine Vielzahl von künstlerischen, historischen und interkulturellen Bezügen zu kombinieren.
Jeans Buttons stammt aus einer kleinen Werkserie, die immer denselben Ausschnitt einer blauen Jeansjacke zeigt. Jedes Werk zeigt eine andere Konstellation von historischen Buttons mit politischen Statements, die auf der Vorderseite des Kleidungsstücks angebracht sind: Peace-Zeichen, das Ying-und-Yang-Symbol, politische Botschaften wie „Keep Abortion Legal“ „International Women’s Day, 8 March 1975“, „Human Rights“ oder „Have a Gay Day“.
Von der Massenkultur absorbiert
Die Serie hat etwas Nostalgisches, genau wie die Buttons, die an die Hippiezeit, Frauenrechts-, Friedens- oder Schwulenbewegung erinnern. Doch durch die Kombination und Wiederholung entsteht auch Distanz, regelrechte Ernüchterung, fast so etwas wie Banalität. Jeans Buttons erinnert an die Bedeutung aktivistischer Gesten im Alltag. Aber auch daran, wie diese Gesten von der Massenkultur als Ausdruck von Lifestyle und Identität absorbiert und vermarktet wurden, während die erkämpften Rechte von einst mit dem Vormarsch autoritärer Systeme wieder abgeschafft werden.
Audio
Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Annette Kelm, Jeans Buttons, 2023
Photograph
© Annette Kelm. Courtesy Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul. Photo: Roman März
Sammlung Deutsche Bank
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