Eine neue iranische Schule Charles Hossein Zenderoudi ist Maler, Kalligraf und Bildhauer. Er gilt als Pionier der iranischen Moderne und als einer der ersten Künstler, der traditionelle persische Kalligrafie-Elemente in sein Werk integrierte. In den 1950er-Jahren studierte er am College of Fine Arts an der Universität Teheran Kalligrafie. Zenderoudi war noch Student an der Kunsthochschule, als er 1960 zusammen mit anderen Künstlern wie etwa Parviz Tanavoli den Grundstein für eine neo-traditionelle, moderne Kunstströmung legen sollte, die die iranische Gegenwartskunst nachhaltig prägte: die Saqqakhaneh-Schule.
Eine unverwechselbare, lokale Bildsprache Die Künstler dieser Schule verbanden westliche Stilelemente und moderne Maltechniken mit Kalligrafie, Tierkreiszeichen, Astrolabien, Amuletten und Talismanen und entwickelten so eine unverwechselbare, lokale Bildsprache, die in der Geschichte der persisch-schiitischen Kunst und der Kaffeehausmalerei verwurzelt ist. Diese Stilrichtung der persischen Malerei entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts. Während die persische Miniaturmalerei feiner, detaillierter und oft für Manuskripte bestimmt war, ist die Kaffeehaus-Malerei großflächiger, emotionaler und volkstümlicher. Diesen Einfluss erkennt man auch auf Zenderoudis manchmal fast grafischen, oft farbenfrohen Bildern.
Im Zeichen der lyrischen Abstraktion 1961 zog er nach Paris, das ganz im Zeichen der lyrischen Abstraktion und des Informel stand – Strömungen gestischer Malerei, deren Vertreter*innen sich intensiv mit Kalligrafie beschäftigten und chinesische und japanische Schriftzeichen in ihre Gemälde integrierten. Hier lernte Zenderoudi Werke innovativer westlicher moderner Künstler*innen kennen, deren Malerei er zugleich beeinflusste. Bereits 1962 wurde er auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet.
Bewegung weg von der Kalligrafie In den 1980er-Jahren entwickelte sich sein Malstil weg von den kleinteiligen Kompositionen seiner frühen Saqqakhaneh-Phase hin zu einer eher monumentalen, flächigen und farbintensiven Ästhetik. Wie auch Chucavira (1985) dokumentiert, bewegt sich Zenderoudi weg von der Kalligrafie, seine Linienführung wird freier, fast gestisch, wobei er oft kräftige, vibrierende Farben und starke Kontraste, etwa zwischen warmen Erdtönen und kräftigen schwarzen Linien, einsetzt.
Informationen
Eine neue iranische Schule
Charles Hossein Zenderoudi ist Maler, Kalligraf und Bildhauer. Er gilt als Pionier der iranischen Moderne und als einer der ersten Künstler, der traditionelle persische Kalligrafie-Elemente in sein Werk integrierte. In den 1950er-Jahren studierte er am College of Fine Arts an der Universität Teheran Kalligrafie. Zenderoudi war noch Student an der Kunsthochschule, als er 1960 zusammen mit anderen Künstlern wie etwa Parviz Tanavoli den Grundstein für eine neo-traditionelle, moderne Kunstströmung legen sollte, die die iranische Gegenwartskunst nachhaltig prägte: die Saqqakhaneh-Schule.
Eine unverwechselbare, lokale Bildsprache
Die Künstler dieser Schule verbanden westliche Stilelemente und moderne Maltechniken mit Kalligrafie, Tierkreiszeichen, Astrolabien, Amuletten und Talismanen und entwickelten so eine unverwechselbare, lokale Bildsprache, die in der Geschichte der persisch-schiitischen Kunst und der Kaffeehausmalerei verwurzelt ist. Diese Stilrichtung der persischen Malerei entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts. Während die persische Miniaturmalerei feiner, detaillierter und oft für Manuskripte bestimmt war, ist die Kaffeehaus-Malerei großflächiger, emotionaler und volkstümlicher. Diesen Einfluss erkennt man auch auf Zenderoudis manchmal fast grafischen, oft farbenfrohen Bildern.
Im Zeichen der lyrischen Abstraktion
1961 zog er nach Paris, das ganz im Zeichen der lyrischen Abstraktion und des Informel stand – Strömungen gestischer Malerei, deren Vertreter*innen sich intensiv mit Kalligrafie beschäftigten und chinesische und japanische Schriftzeichen in ihre Gemälde integrierten. Hier lernte Zenderoudi Werke innovativer westlicher moderner Künstler*innen kennen, deren Malerei er zugleich beeinflusste. Bereits 1962 wurde er auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet.
Bewegung weg von der Kalligrafie
In den 1980er-Jahren entwickelte sich sein Malstil weg von den kleinteiligen Kompositionen seiner frühen Saqqakhaneh-Phase hin zu einer eher monumentalen, flächigen und farbintensiven Ästhetik. Wie auch Chucavira (1985) dokumentiert, bewegt sich Zenderoudi weg von der Kalligrafie, seine Linienführung wird freier, fast gestisch, wobei er oft kräftige, vibrierende Farben und starke Kontraste, etwa zwischen warmen Erdtönen und kräftigen schwarzen Linien, einsetzt.
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Charles Hossein Zenderoudi, Chucavira, 1985
Pigmente und Acryl auf Leinwand
© Charles Hossein Zenderoudi
Written Art Collection
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