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Rebecca Horn, Seelenfenster (Painting with Sculpture “Zimbel Zen”), 2012

Kapitel: Seelenfenster - Geste, Bewegung, Chiffre

Informationen

Chiffren
Im Werk der deutschen Künstlerin Rebecca Horn gehen Bild, Schrift, Zeichnung, Lyrik und Rauminstallation ineinander über. Oft werden ihre Arbeiten als „Chiffren“ beschrieben – poetische, schwer zugängliche Zeichen, die eine magische, surreale Atmosphäre erzeugen. Dabei befasst sich ihr Werk, zu dem viele kinetische Skulpturen gehören, mit der Existenz, der Vergänglichkeit und der Auflösung von Grenzen zwischen Körper, Maschine und Raum.

Prothesen
Nachdem sie sich durch das Einatmen von giftigen Stoffen im Alter von 21 Jahren an der Kunsthochschule eine Schädigung der Lunge zugezogen hatte, verbringt Horn ein Jahr mit ihrer Genesung. An das Krankenbett gefesselt, beginnt sie mit Prothesen und minimalen Choreografien zu experimentieren und entwickelt schließlich die Serie Body Extensions (1968–2024). Diese anschnallbaren Körpererweiterungen – verlängerte Körperteile wie Arme, Finger, Rümpfe – setzt die gelernte Balletttänzerin in ihren frühen Performances ein, die dann in große, losgelöste Maschineninstallationen münden.

Ein Wirbel gestischer Markierungen
Fragile, gestische Zeichnungen nehmen ebenso wie Tanz und Bewegung in ihrem ganzen Werk eine zentrale Stelle ein, sie gehören bei Horn zusammen. So kann man auch ihre Installation Seelenfenster (2012) verstehen. Aus einem Wirbel gestischer Markierungen entsteht auf der Zeichnung eine Drehbewegung, wie bei einem Derwisch, der sich um die eigene Achse dreht. Auch die Astskulptur nimmt diese Bewegung auf.

Ein unscheinbares Stahlkästchen
Zimbel Zen vereint Bewegung, Klang und symbolische Referenzen. Die Arbeit besteht aus einem unscheinbaren Stahlkästchen, auf dessen Oberfläche eine stilisierte, in sanften Wellen gezeichnete Wasserlandschaft zu sehen ist. Diese Welle erinnert an die Ästhetik und an das berühmte Blatt einer Welle des japanischen Künstlers Hokusai, der vor allem durch seine Farbholzschnitte berühmt wurde.

Spirituelle und künstlerische Erfahrung
Über den Wellen schwebt eine filigrane Muschel, die sich langsam und rhythmisch öffnet und schließt. Diese Bewegung ist nicht nur ein technisches Detail. Die Muschel zeigt für kurze Augenblicke ihr Inneres, ein Spiel mit Licht und Schatten, das symbolisch für die Vergänglichkeit steht – ein wiederkehrendes Motiv in Horns Werk. Im Kästchen treffen zwei kleine Zimbeln in einem präzise gesteuerten Moment aufeinander und erzeugen einen klaren, vibrierenden Ton, der den Raum erfüllt. Dieser Klang erzeugt eine fast tranceartige, meditative Atmosphäre, welche die Betrachtenden in eine kontemplative Stimmung versetzt. Es geht um eine spirituelle Erfahrung in der Wahrnehmung von Kunstwerk, Raum und Bewegung.


Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Rebecca Horn, Seelenfenster, 2012
Installation mit drei Werken
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Written Art Collection

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