Galanterie und koloniale Gewalt Yinka Shonibare wurde 2002 mit seiner Installation Gallantry and Criminal Conversation für die documenta 11 international bekannt. Der britisch-nigerianische Künstler inszenierte damals kopflose Puppen in aufwendigen, aus „traditionellen“ afrikanischen Batikstoffen gefertigten Rokoko-Kostümen aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution, als die europäische Aristokratie die Kolonien beherrschte und der Sklavenhandel florierte. Auf den ersten Blick wirken Shonibares Tableaus wie idyllische, romantische Erzählungen einer gebildeten Gesellschaft. Tatsächlich zeigen sie jedoch Szenarien latenter sexueller Dekadenz und Gewalt.
Vorstellungen von Exotik und Folklore In vielen Werken, wie auch für die documenta 11, arbeitet Yinka Shonibare mit leuchtenden Farben und „traditionellen” Batikmustern von „Dutch-Wax”-Stoffen, die in Westafrika beliebt sind, aber eigentlich aus Indonesien stammen und erst im 19. Jahrhundert während der Kolonialisierung von den Niederlanden in Afrika eingeführt wurden. Bis heute werden diese inzwischen industriell gefertigten Stoffe nach Afrika importiert. Shonibare hinterfragt so eurozentrische Vorstellungen von Exotik und Folklore und die wechselseitige Beziehung zwischen „afrikanischer” Ästhetik und westlicher Moderne.
Die Afrikanische Bibliothek The African Library gilt als eine seiner bedeutendsten Installationen. Es gehört zu einem groß angelegten Werk, das drei Bibliotheken umfasst. Es entstand über einen Zeitraum von mehreren Jahren und befasst sich mit dem Erbe der Kolonialgeschichte und der Notwendigkeit der Dekolonialisierung auf drei Kontinenten. Neben der British Library (2014), die sich heute in der ständigen Sammlung der TATE befindet, der American Library (2018), die in Museen in ganz Nordamerika ausgestellt wird, wurde die African Library auch für Shonibares erste Ausstellung auf dem afrikanischen Kontinent in Kapstadt konzipiert. Sie besteht aus sechstausend in Wachsdruckstoffe gebundenen Büchern, die mit Namen der Persönlichkeiten, wie Rabia Djelzi und Wole Soyinka, geprägt sind, die Afrika in der postkolonialen Zeit mitgeprägt haben. Shonibare geht es darum, vielen Menschen, die im westlichen Kanon kaum oder gar nicht bekannt sind, öffentliche Präsenz zu verleihen.
Späte Würdigung Die Bibliothek ist in unterschiedliche thematische Bereiche oder „Sammlungen“ wie Literatur, Wissenschaft, Musik und Kunst geordnet. In einem Studienraum können Besuchende auf eine Microsite zugreifen, um mehr über die in der Bibliothek genannten Personen und ihren Beitrag zur Gestaltung des heutigen Afrikas zu erfahren. Die Sammlung The African Library Collection (Poets) wurde 2020 als „Spin-Off“-Sammlung konzipiert und vereint viele Autorinnen und Autoren, die in Europa und den USA ihre Würdigung noch erfahren müssen.
Informationen
Galanterie und koloniale Gewalt
Yinka Shonibare wurde 2002 mit seiner Installation Gallantry and Criminal Conversation für die documenta 11 international bekannt. Der britisch-nigerianische Künstler inszenierte damals kopflose Puppen in aufwendigen, aus „traditionellen“ afrikanischen Batikstoffen gefertigten Rokoko-Kostümen aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution, als die europäische Aristokratie die Kolonien beherrschte und der Sklavenhandel florierte. Auf den ersten Blick wirken Shonibares Tableaus wie idyllische, romantische Erzählungen einer gebildeten Gesellschaft. Tatsächlich zeigen sie jedoch Szenarien latenter sexueller Dekadenz und Gewalt.
Vorstellungen von Exotik und Folklore
In vielen Werken, wie auch für die documenta 11, arbeitet Yinka Shonibare mit leuchtenden Farben und „traditionellen” Batikmustern von „Dutch-Wax”-Stoffen, die in Westafrika beliebt sind, aber eigentlich aus Indonesien stammen und erst im 19. Jahrhundert während der Kolonialisierung von den Niederlanden in Afrika eingeführt wurden. Bis heute werden diese inzwischen industriell gefertigten Stoffe nach Afrika importiert. Shonibare hinterfragt so eurozentrische Vorstellungen von Exotik und Folklore und die wechselseitige Beziehung zwischen „afrikanischer” Ästhetik und westlicher Moderne.
Die Afrikanische Bibliothek
The African Library gilt als eine seiner bedeutendsten Installationen. Es gehört zu einem groß angelegten Werk, das drei Bibliotheken umfasst. Es entstand über einen Zeitraum von mehreren Jahren und befasst sich mit dem Erbe der Kolonialgeschichte und der Notwendigkeit der Dekolonialisierung auf drei Kontinenten. Neben der British Library (2014), die sich heute in der ständigen Sammlung der TATE befindet, der American Library (2018), die in Museen in ganz Nordamerika ausgestellt wird, wurde die African Library auch für Shonibares erste Ausstellung auf dem afrikanischen Kontinent in Kapstadt konzipiert. Sie besteht aus sechstausend in Wachsdruckstoffe gebundenen Büchern, die mit Namen der Persönlichkeiten, wie Rabia Djelzi und Wole Soyinka, geprägt sind, die Afrika in der postkolonialen Zeit mitgeprägt haben. Shonibare geht es darum, vielen Menschen, die im westlichen Kanon kaum oder gar nicht bekannt sind, öffentliche Präsenz zu verleihen.
Späte Würdigung
Die Bibliothek ist in unterschiedliche thematische Bereiche oder „Sammlungen“ wie Literatur, Wissenschaft, Musik und Kunst geordnet. In einem Studienraum können Besuchende auf eine Microsite zugreifen, um mehr über die in der Bibliothek genannten Personen und ihren Beitrag zur Gestaltung des heutigen Afrikas zu erfahren. Die Sammlung The African Library Collection (Poets) wurde 2020 als „Spin-Off“-Sammlung konzipiert und vereint viele Autorinnen und Autoren, die in Europa und den USA ihre Würdigung noch erfahren müssen.
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Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.
Yinka Shonibare CBE, The African Library Collection (Poets), 2022
183 Hardcover-Bücher, Baumwollstoff mit Dutch- Wax-Druck, in Gold geprägte Namen, Bücherregal, weiße Farbe, Karteikasten
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Written Art Collection
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