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Meschac Gaba, Museum of Contemporary African Art in Berlin, 2014

Kapitel: Map of Utopia - Geschichte, Kartografie, Weltentwurf

Informationen

Ein Museum ohne Wände
1997 eröffnete Meschac Gaba noch als Student der Rijksakademie in Amsterdam sein „Museum für Zeitgenössische Afrikanische Kunst“. Er war zum ersten Mal überhaupt mit einem Stipendium aus Benin nach Europa gekommen. „Mein Museum hat keine Wände“, sagt er, „es ist kein Modell ... es ist nur eine Frage.“ Und diese Fragen lauteten: Warum gibt es weder in Afrika noch in Europa ein Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst? Wieso ist die aktuelle afrikanische Kunst kaum existent im westlichen Kunstbetrieb?

Fiktiv und nomadisch
Nicht nur wegen des Fehlens von Mitteln und Möglichkeiten, sondern auch als Kritik an den erstarrten, eurozentrischen Institutionen der ehemaligen Kolonialmächte, dachte sich Gaba ein neues Modell aus. Ein ebenso fiktives wie nomadisches Museum, das ständig im Wachstum begriffen ist. Ein Museum, das sich überall auf der Welt niederlassen und in immer wieder neuen Räumen an ganz unterschiedlichen Orten präsentiert werden kann, wie z.B. auch auf der documenta 11 (2002) in Kassel.

Partizipatives Gesamtkunstwerk
Zwischen 1997 und 2002 tourte das Museum für Zeitgenössische Afrikanische Kunst durch die Welt. Die Installation wuchs in dieser Zeit zu einem Gesamtkunstwerk mit zwölf Räumen oder Sektionen an, die zum Teil an die üblichen Museumsstrukturen erinnern, wie etwa an den obligatorischen Museumsshop. Aber dieses Museum muss auch aktiviert werden. Im „Architecture Room“ können Besucher*innen mit Holzbauklötzen eigene Museumsgebäude entwerfen. Übliche Museumsräume wie Shop, Restaurant und Bibliothek werden hier umgestaltet, um Künstler*innen einzubeziehen, die eingeladen sind, Objekte beizusteuern und Abendessen für die Besucher*innen zuzubereiten und auszurichten. 2012 kaufte die Londoner Tate die komplette Installation an; es war der umfangreichste Ankauf, den die renommierte Institution bis dato getätigt hatte.

Versprechen für die Zukunft
2016 wurden sieben der zwölf Räume in der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin als Leihgabe der Tate gezeigt. Und auch hier – wie an jedem Ort der Welt, wo das Museum für Zeitgenössische Afrikanische Kunst gastiert – fertigte Gaba eine Fahne mit dem Wappen der Stadt an. Diese Fahne hängt jetzt als Erinnerung an ein Versprechen in dieser Ausstellung: das Versprechen, Orte zu schaffen, an denen Geschichte neu geschrieben und debattiert wird. Orte für eine demokratische Zukunft – und nicht einer verklärten, rassistischen Vergangenheit.

Audio

Hinweis: Die Audiotranskription ist von einer KI eingesprochen.


Meschac Gaba, Museum of Contemporary African Art in Berlin, 2014
Flagge aus Baumwolle, Leinen, Münzen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Sammlung Deutsche Bank

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