Kunst, die verbindet Siavash Armajani, der in Teheran aufwuchs und 1960 als junger Mann nach der Machtübernahme von Schah Reza Pahlavi in die USA emigrierte, war Architekt, Künstler, Philosoph, Mathematiker. Er ist vor allem mit architektonischen Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum berühmt geworden, die Formen von Brücken, Pavillons oder Hybriden aus architektonischen Elementen annehmen. Seine klaren Konstruktionen aus Stahl oder Holz beschäftigen sich mit Themen wie Gemeinschaft, Koexistenz und der Erfahrung des Exils. Oft haben sie einen ganz alltäglichen Nutzen. 1988 entwarf er die Irene-Hixon-Whitney-Brücke in Minneapolis, die zwei zuvor durch eine Autobahn getrennte Stadtteile miteinander verbindet.
Wie eine sakrale Stele Angesichts dieses minimalistisch-konzeptionellen Werkes fragt man sich, wie seine frühen kalligrafischen Arbeiten damit zusammenhängen. So auch die 1960 entstandene Arbeit Panje Tan. Mit einem filigranen Ornament aus Schriftzeichen überzogen, wirkt die schmale, hohe Leinwand fast wie eine sakrale Stele. Ihr Kontext ist eng mit Armajanis Biografie verbunden.
Widerstand Aufgewachsen in einer wohlhabenden liberalen Familie, kam er früh mit persischer Literatur und Poesie und gleichzeitig mit westlicher Philosophie in Berührung. Besonders wichtig waren dabei die Schriften von Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Walt Whitman, die als Mitbegründer der jungen amerikanischen Demokratie gelten. Bereits als Teenager begeisterte sich Armajani für die Nationale Front, ein 1949 gegründetes Bündnis im Iran, das für nationale Unabhängigkeit und die Verstaatlichung der Ölindustrie kämpfte. Als Sammelbecken liberaler, nationalistischer und sozialdemokratischer Kräfte stellte sich diese Gruppe gegen den Schah, wurde aber ab 1953 unterdrückt.
Spirituelle Erinnerung und Verehrung Auch in seinem frühen kalligrafischen Werk ist er von der Vision von Demokratie, Spiritualität und Säkularismus getragen. Der Begriff „Panjtan“ bezeichnet im Islam die fünf heiligsten Persönlichkeiten der Familie des Propheten Muhammad, die im schiitischen Islam, aber auch im Sufismus tief verehrt werden. Für diese Tradition gibt es eine Vielzahl spezifischer Kalligrafien, die der spirituellen Erinnerung und Verehrung dienen. In Schulen oder Moscheen dienen sie dazu, Kindern und Gläubigen die Namen der Familie des Propheten einzuprägen.
Sprache als Raum Armajanis Arbeit hat diesen Charakter des Meditativen und Repetitiven, der auch in der amerikanischen Minimal Art eine zentrale Rolle spielt. Zugleich gibt er der Kalligrafie buchstäblich einen malerischen Raum auf der Leinwand. „Sprache“, erklärt er Jahre später in einem Interview, „ist ein Raum, ein freier Raum, in dem die persische Kultur existieren kann. Und die essenzielle Sprache des Seins ist die Poesie.“ In diesem Sinne kann man sich die Arbeit als einen Vorläufer seiner späteren räumlichen, bildhauerischen Arbeiten vorstellen. Sie markiert als Teil des Frühwerks den Beginn seiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Poesie, Philosophie, Kunst im öffentlichen Raum – und das Festhalten an demokratischen Idealen.
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Kunst, die verbindet
Siavash Armajani, der in Teheran aufwuchs und 1960 als junger Mann nach der Machtübernahme von Schah Reza Pahlavi in die USA emigrierte, war Architekt, Künstler, Philosoph, Mathematiker. Er ist vor allem mit architektonischen Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum berühmt geworden, die Formen von Brücken, Pavillons oder Hybriden aus architektonischen Elementen annehmen. Seine klaren Konstruktionen aus Stahl oder Holz beschäftigen sich mit Themen wie Gemeinschaft, Koexistenz und der Erfahrung des Exils. Oft haben sie einen ganz alltäglichen Nutzen. 1988 entwarf er die Irene-Hixon-Whitney-Brücke in Minneapolis, die zwei zuvor durch eine Autobahn getrennte Stadtteile miteinander verbindet.
Wie eine sakrale Stele
Angesichts dieses minimalistisch-konzeptionellen Werkes fragt man sich, wie seine frühen kalligrafischen Arbeiten damit zusammenhängen. So auch die 1960 entstandene Arbeit Panje Tan. Mit einem filigranen Ornament aus Schriftzeichen überzogen, wirkt die schmale, hohe Leinwand fast wie eine sakrale Stele. Ihr Kontext ist eng mit Armajanis Biografie verbunden.
Widerstand
Aufgewachsen in einer wohlhabenden liberalen Familie, kam er früh mit persischer Literatur und Poesie und gleichzeitig mit westlicher Philosophie in Berührung. Besonders wichtig waren dabei die Schriften von Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Walt Whitman, die als Mitbegründer der jungen amerikanischen Demokratie gelten. Bereits als Teenager begeisterte sich Armajani für die Nationale Front, ein 1949 gegründetes Bündnis im Iran, das für nationale Unabhängigkeit und die Verstaatlichung der Ölindustrie kämpfte. Als Sammelbecken liberaler, nationalistischer und sozialdemokratischer Kräfte stellte sich diese Gruppe gegen den Schah, wurde aber ab 1953 unterdrückt.
Spirituelle Erinnerung und Verehrung
Auch in seinem frühen kalligrafischen Werk ist er von der Vision von Demokratie, Spiritualität und Säkularismus getragen. Der Begriff „Panjtan“ bezeichnet im Islam die fünf heiligsten Persönlichkeiten der Familie des Propheten Muhammad, die im schiitischen Islam, aber auch im Sufismus tief verehrt werden. Für diese Tradition gibt es eine Vielzahl spezifischer Kalligrafien, die der spirituellen Erinnerung und Verehrung dienen. In Schulen oder Moscheen dienen sie dazu, Kindern und Gläubigen die Namen der Familie des Propheten einzuprägen.
Sprache als Raum
Armajanis Arbeit hat diesen Charakter des Meditativen und Repetitiven, der auch in der amerikanischen Minimal Art eine zentrale Rolle spielt. Zugleich gibt er der Kalligrafie buchstäblich einen malerischen Raum auf der Leinwand. „Sprache“, erklärt er Jahre später in einem Interview, „ist ein Raum, ein freier Raum, in dem die persische Kultur existieren kann. Und die essenzielle Sprache des Seins ist die Poesie.“ In diesem Sinne kann man sich die Arbeit als einen Vorläufer seiner späteren räumlichen, bildhauerischen Arbeiten vorstellen. Sie markiert als Teil des Frühwerks den Beginn seiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Poesie, Philosophie, Kunst im öffentlichen Raum – und das Festhalten an demokratischen Idealen.
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Siah Armajani, Panje Tan, 1960
Tinte und Gesso auf Leinwand
© Estate of Siah Armajani
Written Art Collection
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